Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528113
nöthig aber ist, dass sich Spanien den neuen Anschauungen gegen- 
über still verhielt, wie es sich auch wohl noch lange Jahre nicht 
Zu reger künstlerischer Thätigkeit wirdaufraffen können, selbst wenn 
es ihm bald vergönnt sein sollte, ein Ende seiner blutigen Wirren 
zu finden. Das östliche Europa aber fing bereits an, von der freilich 
oft despotischen Mühe, welche sich die Czaaren mit der Givilisation 
ihres zurückgebliebenen Volkes gegeben, Früchte zu zeigen. Für 
romantische Anschauungen fehlte übrigens den Rus sen die geschicht- 
liche Grundlage, und der Versuch, ihren abgelebten Byzantinismus, 
welcher in der religiösen Malerei durch die classicistische Schulung 
auf der Petersburger Akademie keineswegs beseitigt worden war, 
durch das Aufpfropfen präraphaelitischer Reiser wieder zu verjüngen 
und neu zu beleben, fallt erst in etwas spätere Zeit. Das bedeutende 
realistische und coloristische Talent der östlichen Völker, von welchem 
neuestens die Polen so bewundernswerthe Proben ablegen, drängte 
aber vom Classicismus sofort zur entschiedenen Cultur der Farbe 
und der Realität, als deren Bahnbrecher der mit Recht gefeierte 
C. Brülow 1799-1852 zu nennen ist. Obwohl nun die Stoffe dieses 
nach der Antike und dann im Studium Raphaels herangebildeten 
Künstlers, wie ader letzte Tag von Pompejic, slnes de Castroc u. A. 
nicht ohne romantische Färbung sind, so stellt sich Brülow doch 
mehr als ein russischer Biefve denn als eigentlicher Romantiker dar. 
Dasselbe gilt von einem seiner hervorragenderen Schüler, Moller, 
geb. 1812, trotz seiner Hinneigung zu religiösen Darstellungen. Die 
Plastik aber lag im Osten seit Falconetls Hingang ganz darnieder 
oder vegetirte in classicistischem Scheinleben, in luxuriösem Stempel- 
schnitt u. s. w. fort. Wenn man aber das, was in Architektur 
geleistet wurde, einen Aufschwung nennen kann, so beruhte dieser 
nicht auf romantischer Grundlage, indem man sich etwa bestrebte 
die alte byzantinische und moscowitische Tradition systematisch neu 
zu beleben und etwa mit den übrigen mittelalterlichen Stylen Europafs 
in organischen Zusammenhang zu bringen, sondern in der sofortigen 
Heranziehung der Renaissance, welche sich zu der Allianz mit dem 
alt einheimischen Style bequemen musste. 'Noch weniger Eigen- 
artigkeit konnte sich entfalten, wenn man geradezu auf die italienische 
Hochrenaissance zurückging, ohne die eigene Ueberlieferung weiter 
zu berücksichtigen, wie diess in der Kathedralkirche zu Petersburg 
geschah, deren Architekt, der Russe Waronclaiaz, seine Aufgabe rein
        

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