Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528109
tik für Westminster und S. Paul in London allein" zu existiren, und 
hier herrschte die Allgewalt der Flaxmannschen classicistischen 
Tradition bis Gibson (1791-1866) herab. Was nebenher für Kirch- 
höfe oder die Schlösser der Peers von britischen Händen gefertigt 
abfiel, ist theils unbedeutend, theils in demselben Geiste geschaffen; 
Ehrenstatuen in den Städten und selbst in London gehörten aber 
zu den äussersten Seltenheiten. Als endlich die Lust an den Letzteren 
begann, warf man sich sofort einem trockenen und prosaischen 
Naturalismus in die Arme, der im schroffsten Gegensatz zu der 
üppigen Leidenschaftlichkeit des naturalistischen Meissels Frankreichs 
stehend weit unkünstlerischer und unerquicklicher wirkt als jener. 
Auch in diesem Gebiete, welches überhaupt gegen die Anschauungen 
dieser Periode sich am sprödesten verhält, ging daher die Romantik 
fast spurlos an England vorüber. 
Dagegen lag es nahe, in der Architektur sich zu entschädigen 
und der nicht bloss in Deutschland, sondern in Europa eingetretenen 
Anschauungsveränderung auf diesem Gebiete um so reichlicher Rech- 
nung zu tragen. Denn die Gothik war noch kaum aus dem Gcdächtniss 
gerathen, ja sie war sogar praktisch, wie die antike Tradition in 
Italien, überhaupt nie gänzlich unterbrochen worden. In der englischen 
Gothik hatte der Britte einen eigenen nationalen Ausdruck gefunden 
und er griff daher mit (berechtigtem) Stolz und neuem Feuer wieder 
darauf zurück. Wird aber die Brauchbarkeit, d. h. die allseitige 
Verwendbarkeit eines Styles bei dessen Wahl allerwärts in's Gewicht 
fallen, so war besonders der Engländer empfänglich für den Vorzug, 
der in seinen etagenfähigen gedrückten Spitzbogen wie in seiner bei 
aller Oekonomie schmuckfähigen Holzbedeckung anstatt der Gewölbe 
lag. Und nicht blos an neuen "Kirchen und Kapellen begann die 
Gothik wieder aufzuleben, sondern auch an öffentlichen Profan- 
gebäuden wie an Schlössern. Am thätigsten wirkte hiefür (auch 
schriftstellerisch) Pugm, Englands Viollet-le-Dtic. Als das glänzendste 
Denkmal dieser Renaissance der Gothik aber erhebt sich das von 
Barry geschaffene grossartige Parlamentsgebätide neben Westminster, 
in seiner Ueberwucherung durch Blindmaasswerk leider zu stark 
an den sogenannten vTudor-stylec des benachbarten Henry VII. 
Chapel sich anlehnend. 
Dass von dem classischen Apenninenlan d die Romantik per- 
horrescirt wurde, ist bereits erwähnt worden. Kaum zu erwähnen
        

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