Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528095
Französische Plastik 
und 
Architektur. 
Romantik Englands. 
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an das Verblühen des Classicismus die Neubelebung der französischen 
Renaissance sich ohne Unterbrechung anschloss. In Hinsicht auf archäo- 
logische Erforschung und Restauration des Vorhandenen zwar wurde 
in Frankreich so viel und selbst noch mehr geleistet, als irgendwo, 
wofür die berühmten Namen der Vertreter dieses Wissenschafts- 
zweiges und der Restauratoren, vorab E. Wollet-le-Dzrc, dann Lassus 
und Uaumont anzuführen genügen dürfte. Zu wirklichem Leben 
aber war die Romantik in der Architektur nicht zu erwecken, und 
es ist bezeichnend für die Verhältnisse, dass ein geborner Deutscher, 
Gnu, aus Cöln zum Bau der Kirche S. Clotilde, des bedeutendsten 
neugothischen Werkes in Paris und Frankreich, berufen ward. Mit 
der romantischen Bewegung und deren Zeitalter hängen jedoch solche 
vereinzelte Schöpfungen überhaupt nicht mehr zusammen.  
Werfen wir schliesslich noch einen Blick auf die übrigen Länder 
Europas, so mag es vielleicht am merkwürdigsten erscheinen, dass 
die englischen Maler trotz der grossen Vorliebe, welche britische 
Kunstfreunde den deutschen Romantikern und deren Schöpfungen 
entgegen brachten, und trotz der zahlreichen feudalen Reminiscenzen, 
welche die Inseln jenseits des Canals darbieten, von der ganzen 
Richtung mit Ausnahme der Stiminungslandschaft so wenig berührt 
wurden, dass sie nicht einmal in der Nachahmung der deutschen 
Vorkämpfer sich versuchten. Es erklärt sich dies indess vorzugs- 
weise in dem Mangel an monumentaler Befähigung der Britten, 
während doch der Zug der romantischen Malerei vorwiegend auf's 
Monumentale ging. Dieser Mangel aber erscheint, dadurch bedingt, 
dass der englische Cult die religiöse Malerei, welche er einige Jahr- 
hunderte früher sogar rausam verfolgte, auch in toleranteren Zeiten 
keineswegs ermuthigte und beschäftigte, und dass das Königthum 
selbst im Gegensatz zu dem französischen in seinem Auftreten einen 
mehr privaten Charakter hatte. Dadurch wurde der englischen Kunst, 
welche übrigens die bedeutendsten Kräfte, die sie je besass, vom 
Auslande bezog, eine fast ausschliessend häusliche und Cabinetskunst, 
die über Porträt, Genre, Landschaft, Thierbild und Stillleben nicht 
leicht hinaugglllg und desshalb mit besonderer Vorliebe die ihr an- 
gemessenste Technik, das Aquarell, lytlegte. 
Plastik aber schien in England während der Periode der Roman-
        

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