Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528071
Malerei 
Paysage 
intime. 
Plastik. 
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heimliche der Dänllllerung, der unendliche Wechsel der farbigen 
Erscheinung je nach Licht und Wetter. Der düstere Zug ist hier 
nicht mehr die Hauptsache; denn das ganze Naturleben scheint vor 
den Künstlern offen zu liegen. Der skizzenhafte formlose Charakter, 
den ihre Werke zur Schau tragen, ist dabei keineswegs die Folge 
eines genial flüchtigen Hinwerfens des Eindrucks, sondern verbirgt 
vielmehr ein höchst mühevolles Experimentiren hinter den zahlreichen 
Fiarbenlagen, die bis zum Relief pastos so lange übereinander gedeckt 
sind, bis die beabsichtigte Wirkung erreicht wmde. 
Dass die romantische Plastik ungleich geringere Erfolge errang, 
als die Malerei, ist in der Natur dieser Kunst begründet und nicht 
blos in Frankreich ersichtlich. Namentlich die religiöse Bildnerei 
hatte nur die Wahl zwischen Reproduction oder Imitation mittel- 
alterlicher Werke und der Uebertragung classischer Auffassung und 
Formgebung auf christliche Gegenstände. Die erstere tritt an den 
Restatnuationen der gothischen Kathedralen Frankreichs und vorab 
von Notre-Dame zu Paris in der Weise auf, dass man die neu- 
ersetzten Werke nur durch den geringeren Grad der Verwitterung wie 
durch schwächere Innigkeit von den alten unterscheidet, und dess- 
halb sich wohl kaum veranlasst sieht, nach ihren Urhebern, die ihnen 
ja doch keine Individualität verleihen wollten oder konnten, auch 
nur zu fragen. Es war freilich ein Glück für die Produktion in 
dieser Richtung, dass die nachgeahmten Vorbilder in Frankreich in 
der Regel auf einer beträchtlich höheren Stufe stehen als in Deutsch- 
land, wie Niemand in Abrede stellen wird, der etwa die Kathedralen- 
sculptur an Notre-Dame oder am Dom zu Chartres, welche durch 
ihre schlichte Empfindung und correkte Formgebung von der erSl 
ungeschlachten, in der Spätgothik dagegen manieristisch übertriebe- 
nen Deutschlands sich sehr vortheilhaft unterscheidet, mit den 
Nürnberger Werken vor Peter Vischer vergleicht. Lag es jedoch 
schon in dem decorativen und unselbständigen Charakter der mittel- 
alterlichen Sculptur, dass sich keine persönliche künstlerische Eigen- 
art an derselben entwickeln konnte, so musste diess den Nachahmern 
noch fühlbarer werden, so dass fast nur untergeordnete Kräfte sich 
zu solchen Aufgaben bequemten. Nicht viel glücklicher war die
        

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