Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528052
Leonore begonnen, fand er namentlich in einer Reihe von Gretchen- 
bildern nach Goethe's Faust ein ihm besonders zusagendes Gebiet. 
Der Unterschied zwischen diesen und den Compositionen des Cor- 
nelius könnte indess grösser kaum gedacht werden, was jedoch 
nicht bloss in der Weiblichen Auffassung Scheffefs der heroisch 
männlichen des Gornelius gegenüber, sondern auch in den diametral 
entgegengesetzten Darstellungsmitteln seinen Grund hat. In den 
letztern ist freilich der Franzose entschieden voraus, wie zumeist 
auch in der Wiedergabe der Stimmung und namentlich hochgradiger 
Leidenschaft, in der des Charakters jedoch selten. Scheffefs Mignon 
oder Eberhard der Greiner an der Leiche seines Sohnes trifft daher 
den Grundzug des dichterischen Vorbildes so wenig, wie selbst die 
Gruppe der Francesca da Rimini mit Paolo oder Dante's mit Beatrice. 
Dass sich jedoch das passive Pathos Scheffefs besonders für 
religiöse Malerei eigne, musste ihm nicht blos selbst einleuchten, 
sondern wurde ihm auch durch die Umstände nahegelegt. Nachdem 
er sich nach dieser Seite hin schon 1837 in Seinem vCIIFiSiIIS C011- 
solatora bewährt, liess er, namentlich seit er sich von der Welt fast 
gänzlich zurückgezogen, fast nur mehr religiöse Arbeiten aus seinem 
Atelier hervorgehen, die sich zumeist grosser Anerkennung und 
massenhafter reproductiver Verbreitung zu erfreuen hatten.  
Im Gebiete der Landschaft hatte Frankreich in der Periode des 
Glassicismus nicht über so tüchtige Kräfte zu gebieten gehabt wie 
Deutschland in J. Koch, Reinhart u. A.  Die Schule eines H. Va- 
lencieiznes (1750 -1819) beruhte auf rein akademischer Paraphra- 
sirung Poussilfs, dessen Weise natürlich dadurch völlig ertödtet 
wurde, dass man sich bemühte, sie möglichst classisch nach der 
antiken Idylle aufzuputzen. Indem man die vermeintlich unent- 
behrlichen Bestandtheile einer classischen Landschaft, conventionelle 
schön contourirte und mit regelrechtem Laubwerk ausgestattete 
Baumgruppen, eine korinthische Halle oder Ruine, Felsen, Quellen. 
Flüsse und sanftlinige Höhenzüge als Abschluss unter den stabilen 
Wolkenbildungen wie Coulissen und Hintergründe hin und herschob, 
wurden immer wieder neue Gompositionen erzielt; allein bei aller 
Bemühung nach Abwechslung immer in ermüdender Eintönigkeit. 
Unverhältnissmässig lange, bis in die zwanziger Jahre, ertrug oder 
vielmehr ignorirte die Heimat Claude-s und der Poussin dieses Mach- 
Werk, wenn auch vereinzelt romantische Anschauungen durch das
        

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