Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528046
gewissem Grade coloristische Element in den Dienst der Romantik 
brachte. Sein Dante bei den Zornmüthigen (1822) bezeichnet den 
Anfang und schon in der Mitte der zwanziger Jahre wurde er ent- 
schieden das Haupt der romantischen Schule genannt. Geschicht- 
liches des Alterthums, Mittelalters und der Neuzeit, Eingebungen 
der eigenen Phantasie wie Episoden aus Dichtern vorab aus Dante, 
Shakespeare, Byron, W. Scott und Goethe (Faust) wechselten mit 
religiösen Gegenständen, stets eindringlich durch leidenschaftliche 
Erregtheit und getaucht in farbensatte Realität. Mit der Idealforin 
war aber überhaupt die Form hinter der rein malerischen Wirkung 
zurückgetreten. 
Ohne der Delacroix untergeordneten, wenn auch der Richtung 
nach parallelen Künstler näher zu gedenken, wie eines X. Sigalon 
oder eines L. Boulanger, die sich mit Vorliebe in dem Sumpfe von 
Greuelscenen ergingen, welcher der Leidenschaftlichkeit der fran- 
zösischen Romantik so sehr zu entsprechen schien, haben wir hier 
noch eine eigenthümliche Künstlererscheinung in's Auge zu fassen, 
welche der Romantik vielleicht voller als irgend eine Frankreichs 
angehört und zwischen Delacroix und Flandrin in die Mitte 
gestellt werden dürfte, nemlich des Ary Schiefer, geb. zu Dor- 
drecht 1795 , 1- zu Paris 1858. Mitschüler von Gericault und 
Delacroix in Guerin's Atelier, fand er sich selbst zunächst Weder 
in der Manier seines Meisters noch in der stürmischen Art seiner 
genannten Mitschüler und tastete lange in ungewisser Mitte, bis 
er sich endlich entschloss, sich auf Seite der letzteren zu schla- 
gen. Allein die bewegte Leidenschaftlichkeit derselben War seinem 
Weich empfindsamen und mehr passiven Gemüthe unverständ- 
lich, und so blieb ihm nur der Anschluss in technischer Hin- 
sicht möglich. Schraubte er sich auch in seiner vAuffindung der 
Leiche des Gaston de Foixe (1826)?) und in den ssuliotischen 
Frauenefit) (1827) zu Compositionen a la Delacroix hinauf, so gelangte 
doch in solchen Scenen sein Wesen zu keiner Wahren Befriedigung, 
da es ihn vielmehr zur Darstellung sentiinentaler Innerlichkeit drängte. 
Daher kam ihm die romantische Dichtung Deutschlands stimmungs- 
verwandter entgegen als die französische und nachdem er mit Bürgers 
 
Im Museum zu Versailles. 
Im Luxembourg, Nr. 218, 
rad. 
Mme. 
Girard.
        

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