Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528034
abel", Wie Sie IÜSPQS und Flandrin begründet hatten, Hufcvelöst 
MOÜQZ ist ein Beispiel 1'011 der Liasslosigkeit und Consequeäz zu; 
gleich, mit Welcher die Franzosen gerne jede Richtung bis zum 
Aeussersten treiben. 
Glücklicher Weise hatte die Romantik längst auch von einem 
diametral entgegengesetzten Ausgangspunkte aus sich der Kunst 
bemächtigt und ihr neue folgenreichere und lehensftihigere Bahnen 
eröffnet. Der Kunst der Form, wie sie eben geschildert worden ist, 
welcher das Colorit (und damit ein Hauptfactor der Lebenswahrheit) 
nicht bloss, wie Flandrin sich ausdrückte, anur die notlnvendige Folge 
der wahren Zeichnunga , sondern überhaupt nebensächlich war, 
gegenüber hatte sich eine romantische Kunst auf realer Grundlage 
aufgebaut. Die reale Behandlung deckte freilich auch bei ihr den 
Begriff der Romantik ebensowenig ganz als die classiscl1-ideale der 
Schule Ingres', aber gegenständlich bildete diese Schule in ähnlicher 
Weise die andere Hälfte der gesannnten romantischen Anschauung 
Frankreichs, wie sie durch die epische und historische Romantik der 
Cornelius'schen und auch W. Schadoufschen Schule neben der 
religiösen von Seite der deutschen Maler gebildet worden ist. Sie 
entsprach auch mehr als jene der gleichzeitigen romantischen Dich- 
tung eines Chateaubriand, Lamartine und Victor Hugo, welche ihrer- 
seits in ganz verwandter Art die romantische Empfindung und ver- 
zweiflungsvolle Erregtheit in der Unklarheit einer schrankenlosen 
Phantasie mit Treue der Naturschilderung zu verbinden strebte. 
Als ein Vorläufer nicht bloss für diese Schule, sondern für alle 
folgenden Realisten war Th. Gäricault, geb. zu Rouen 1791, "l" 1824, 
schon 1812 mit seinem aGardecavaleristenk aufgetreten. Die schroffe 
mächtige Wirklichkeit, die er im Gegensatz zu seiner classicistischen 
Schule (Guerin) anstrebte, hatte grosses Aufsehen gemacht, das sich 
noch steigerte, als er gleichzeitig mit der Odaliske und Angelica von 
Ingres seinen epochemachenden aSchiifbruch der Medusae auSSteÜtC, 
1819  Man fühlte, dass Gericault überGros, welcher mit der aSchlacht 
von Nazaretlm oder dem vBesuch Napoleons bei den Pestkranken 
zu Jaffac einen ähnlichen Ton angeschlagen, Weit hinausgegangen 
war und mit dem Classicismus völlig gebrochen hatte. Doch war 
es erst E Delacroix (1799-1863), der das realistische und bis zu 
w 
Beide 
Louvre. 
243 
und 
242.
        

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