Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525233
meisten Künstler, eine kleinere mehr von Andrea Sansovino aus- 
gehende und besonders im nordöstlichen Italien arbeitende Gruppe 
etwa ausgenommen, in seine Fussstajafen, zumeist freilich nur die 
Aeusserlichkeit seiner Werke erfassend und nachahmend, den gross- 
artigen Gehalt jedoch, für Welchen einem Michelangelo die Erschei- 
nung wenig mehr als die Formel war, weder begreifend noch an- 
strebend, Manieristen, wie die Nachtreter Raphaels in der Malerei. 
Hatte jedoch die Malerei des römischen Cinquecento, und zivar 
nicht blos die Michelangelds selbst noch so viel von plastischen, ja, 
selbst architektonischen Elementen an sich, dass eine stylistische 
Verirrung von einer in die andere Kunst weniger bedenklich erscheinen 
mochte, so hatte seit dem Tode Raphaels das malerische Princip in 
Venedig wie durch Correggio sich weit mehr isolirt und der Plastik 
gegenüber abgegränzt, als diess der römischen Schule, welche die 
Kunst weit universeller auffasste, gelungen war. Griff die Stylver- 
mengung noch weiter um sich, wie diess durch die Eklektiker zuerst 
in der Malerei sanctionirt worden War, so musste bei dem zunehmen- 
den Uebergewichte der Malerei der plastische Styl endlich vollkommen 
erstickt und der Abweg zum entschiedensten Verfall werden. Seit 
namentlich durch Annibale Caracci Correggio in seiner hohen Be- 
deutung gewürdigt worden war, lag es nahe, den Meister auch für 
plastische Ideen zu verwerthen, wohl die schlimmste unter einer 
Reihe von nachtheiligen Einwirkungen, welche von den bahnbrechen- 
den Vorzügen desselben unzertrennlich sind. Denn da der Haupt- 
werth desselben ebensowenig wie bei den Venetianern in der der 
Plastik vornehmlich zugänglichen Formgebung, selbst nicht in der 
Composition lag, so rang man überdiess mit einem Phantom, statt 
mit dem Wesen, und musste sich mit der Annahme des Untergeord- 
neten, ja sogar Tadelnsiverthen begnügen, ohne auch nur irgend 
einen der Vorzüge mit in den Kauf nehmen zu können. Gleichwohl 
war man der michelangelesken Manier so müde geworden, dass neue 
Impulse helworgesticlit werden mussten, und hatte diese der Kunst- 
anschautlng jener Zeit, welche schwunghafte Bewegung wollte, am 
entsprechendsten gefunden. Daher war bald der kühne Vertreter 
der neuen Richtung, Lorenzo Bernini, der Held des SYÖSStQU rllhelles 
des 17. Jahrhunderts geworden, und zwar nicht blos für sein Heimat- 
land, wie etwa Lebrun im Gebiet der Malerei für Frankreich, son- 
dern für die gesammte civilisirte Welt. Das Zusammentreffen der
        

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