Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-528010
Cornelitis, mit Overbeck verglichen worden, welchem er übrigens in 
manchem Betrachte überlegen erscheint. Seiner Schule entsprechend 
war er gleichfalls während seiner römischen Studien bemüht, in den 
Geist der Antike und Raphaels einzudringen; allein eine anders an- 
gelegte Natur als sein Meister und bei vielleicht etwas geringerem 
Formensinn mit einer Empfindung und religiösen lnnigkeit ausge- 
stattet, wie sie jenem fehlte, musste er auch den Unterschied bald in 
seinen WVerken geltend machen. Schon sder h. Clarusk und wChristus 
die Kiiidieiii Segiiellflsif) liessen bei Einsichtigeren darüber keinen 
Zweifel; als er aber in seinen Wandmalereien der Johanneskapelle 
von S. Severin in der einfachen Feierlichkeit der Anordnung auf 
die Präraphaeliten zurückging, ja selbst Giotto als Vorbild nicht 
verschmähte, da musste die Abweichung allgemein auffällig werden. 
Seinen Höhenpunkt erreichte er jedoch erst mit der Ausmalung des 
Chors der Kirche S. Germain-des-Pres, wo er in dem Einzug Christi 
in Jerusalemtkt") ein Werk schuf, das zwar in manchem Bilde an 
Overbeck's Schöpfungen zu Lübeck gemahnt, diese aber wenn auch 
nicht an Innigkeit des Gemüthes, so doch an geschulter Formschön- 
heit entschieden übertrifft. 
Nicht beschränkt auf einen fertigen, ein für allemal aus einer 
gewissen Schule abstrahirten Styl wie Overbeck war Flandrin auch 
befähigt (und darin zeigt er einige Verwandtschaft mit H. Hess) der 
jeweiligen Architektur, welche zu schmücken er berufen wurde, styl- 
gemässe Rechnung zu tragen. So hatte er bei Ausmalung der neuen 
Basilika S. Paul zu Nimes sich den alten Florentinern und Sienesen 
genähert, bei den Apsidenmalereien der romanischen Abteikirche von 
Ainay bei Lyon sogar der ravennatischen Weise. Wie Wunderbar er 
es aber verstand, die jeweilige Styleigenthümlichkeit von1 Standpunkte 
des modernen Kunstvermögens der Ingresschen Schule und seiner 
eigenen künstlerischen Weise aus aufzufassen, zeigen namentlich die 
Heiligenreihen an den Langswänden von S. Vincent de Paul, welche, 
obwohl hiezu die Anregung von der Basilika S. Apollinare nuovo 
zu Ravenna gekommen, ,in der Durchführung eine Wahrhaft clas- 
sische Formschönheit entfalten, so dass man sie mit dem Panathe- 
näenfries des Parthenon verglichen hat. Dabei erscheint die letztere 
 Das erstere Bild in der Kathedrale 
 Gest. v. Soumy und Poncet. 
R e h e r, Kunstgeschichte. 
ZU 
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N antes, 
zweite in Lisieux. 
19 
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