Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527993
die Natur mit Antike und Raphael zu verbinden, war keineswegs 
neu; mehr als irgend einem anderen aber gelang es ihm, sich von 
aller formalen Nachahmung seiner Vorbilder frei zu halten und an 
diese sich mehr dem Geiste nach zu halten. Denn nicht Phidias 
oder Raphael waren seine Grundlage, sondern die Natur, welche 
jedoch der Künstler nach Anleitung jener Meister in das Reich des 
Idealen erhob. Hatte David seine Modellstudien gleichsam auf den 
Altar seiner römischen Vorbilder gelegt, so huldigte Ingres über- 
wiegend der natürlichen Erscheinung, welche er jedoch im Geiste 
jener Meister über die Realität zu erheben suchte. Von einer Be- 
rührung mit seinen gleichzeitig in Rom thätigen deutschen Kunst- 
genossen ist weder etwas bekannt noch ersichtlich; auch mochte ihm 
weder der Präraphaelitismus Overbeclös noch die damals etwas 
ungefüge Wucht eines Cornelius entsprechen. 1819 hatte er von 
seiner vollendeten Richtung die ersten Proben nach Paris entsandt, 
die sOdaliskec und die sBefreiung der an den Felsen geschmiedeten 
Angelicatß"). Der romantische Stoff der letzteren War nebensächlich 
und die Befreiung der Andromeda durch Perseus Würde sich kaum 
wesentlich anders gestaltet haben; es handelten sich vielmehr um 
Proben der Errungenschaften des Künstlers in der Formgebung. 
Die zwei Gemälde gaben zwei weibliche Gestalten, in welchen der 
Künstler lediglich das Möglichste in absoluter Formschönheit zu 
leisten erstrebte. 
Nach einigen Arbeiten aus dem Gebiete des geschichtlichen 
Genre und der Poesie begann der Künstler mit einem vPGlPUS die 
Schlüssel aus der Hand Christi empfangenda (1820) l") die Reihe 
seiner religiösen Werke. Während nun hier und noch mehr in 
seinem vGelübde Ludwig XIII. (1822)(( trotz der durchaus origi- 
nalen Bedeutsamkeit dieser Werke der Einfluss Raphaels sich nicht 
verleugnet, so tritt dafür in dem folgenden wder Gang des h. Sym- 
phorian zum lllartyriunm (1834 nach neunjähriger Arbeit vollendet)  
in der gallisch-barbarischen Umgebung des Proconsuls michelange- 
leske Kraft an die Stelle classisch-griechischer Formen. Alle diese 
Einflüsse sind jedoch so selbständig verarbeitet und so durch den 
 
 Im Luxembourg. Nr. 133. 
H") Für S. Trinitä de Monti bestimmt, 
 Das erstere in der Kathedrale zu 
drale zu Autun. 
doch jetzt im Luxembourg. Nr. 132. 
Montaulwan, das letztere in der Kathe-
        

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