Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527987
das Interieurbild, nemlich das Genre mit mindestens gleichberechtigter 
Baulichkeit und Einrichtung. 
Dass Fr. III. Granet (1775-4849), der Begründer des roman- 
tischen Interieur, besonders Scenen aus der kirchlichen Atmosphäre 
wählte; sder Maler Stella eine Madonna auf die Mauer zeichnenda 
(1310), sdie Messe in der Kapuzinerkirche auf Piazza Barberinic, 
wLeichenfeier der Franziskaner in ASSiSia, vKatakombenfeiera, vNQn- 
neneinkleidungc, xSavonarola in seiner Zellea, aRGÖGITIiOPlSiGD in 
Tunisa, vletzte Wegzehrung POUSvTlITSK u. s. w. war der religiösen 
Stimmung seiner Zeit gemäss und begründete mit den Unterschied 
von dem holländischen Interieur. War schon hier das Interesse an 
dem zum Theil historischen Figürlichen grösser als bei dem letzteren, 
so trat diess bei der Lyoner Schule, als deren Haupt P. P. Revoil 
(1776-1842) betrachtet werden muss, noch mehr in den Vorder- 
grund. Wie im Gegensatze zu Deutschland nicht alte Heiligenbilder, 
sondern Gerathe den ersten Anstoss gegeben, so entsprang auch 
nicht das Kirchenbild, sondern das antiquarische und historische 
Genre als erste Frucht dem romantischen Boden Frankreichs. Man 
dachte dabei nicht entfernt daran, die alte Technik rehabilitiren zu 
wollen und die mittelalterliche Kunst irgendwie als Vorbild zu benutzen, 
sondern entnahm jenen Zeiten und der unmittelbar darauffolgenden 
Periode nur die Stoffe und realen Vorbilder; und indem man sich 
technisch vielmehr an die Holländer als an die alten Flandrer oder 
Präraphaeliten anschloss, begnügte man sich die ersteren in christ- 
liches oder historisches Genre zu übersetzen. 
Die monumentale christliche Kunst, mit der Restauration wieder 
in lebhaftem Betriebe, nahm zunächst an dem Umschwunge keinen 
Antheil; in dieser dauerte noch eine Zeit lang der Classicismus fort, 
indem man einfach die classischeil Stoffe in religiöse verwandelte. 
E. Picot, J. B. Gassies, F. J. Heim u. A. fügten höchstens mehr 
Farbenschimmer zu der ererbten akademischen Haltung, welche 
jedoch selbst durch die damals bedenklich auftretende Vorliebe für 
Martyriendarstellungen nicht lebig gemacht werden konnte. Erst 
J. A. D. Ingres, geb. 1780 zu Montauban, 1' 1868, der kurz vor 
Overbeck nach Rom gelangt, dort aber auf das Studium der griechi- 
schen Antike und dann des Raphael sich legend, noch mehr als ein 
Jahrzehent unbemerkt geblieben war, wurde nach dieser Seite hin 
der bahnbrechende Meister für Frankreich. Sein Programm zwar,
        

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