Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527979
schmack an der vorreibrmatorischen Kunst, welche fast ausschliessend 
im Dienste der Religion gestanden war. S0 sicher man sich aber 
in dem Punkte fühlte, dass sich die ununterbrochene Tradition aus- 
gelebt habe, und so evident es anderseits erschien, dass die Rück- 
kehr zur Antike, wie sie die davicPsche Schule gepflegt, der Kunst 
kein neues Leben einzuhauchen vermochte, so glaubte man ClOCh 
nicht in der Weise der deutschen Nazarener die Mittel zur Wieder- 
belebung derselben in einer sich selbst verleugnenden Rückkehr zu 
den Anschauungen des Mittelalters zu finden. Am wenigsten zu- 
nächst in einer Wiederaufnahme der Formgebung der alten Schulen, 
zu welcher in der That nur ein spezieller Ziveig der französischen 
Romantiker abirrungsweise zurückgriff. Und so begann die roman- 
tische Kunst Frankreichs abweichend von der deutschen nicht mit 
einer Rückkehr zu vergangenen Zeiten, sondern mit einer Einkehr 
in dieselben, nicht mit einer Todtenerweckung der vorreformatori- 
schen Kunst unter Verzicht auf individuelle wie allgemein zeitge- 
mässe Darstellungsmittel, sondern theils in mehr gegenständlicher 
Weise durch die Wahl von geschichtlichen wie halbgeschichtlichen 
Stoffen mit möglichst treuer Wiedergabe der realen Erscheinung in 
Architektur, Costüm, Geräthe und sonstigem Beiwerk, theils in der 
Neubelebung der religiösen Malerei in der selbständigen Würde der 
Cinquecentisten, welche durch die hundertjährige classicistische Be- 
handlung seit Poussin in heidnischer Verweltlichtmg erstickt war. 
Vorbereitungen hiezu waren schon in der vorausgehenden Periode 
und in dem gegnerischen Lager der Revolution gemacht worden. 
Analog jenen Sammlungen, Welche in Deutschland anlässlich der 
Massensäcularisation vorzugsweise Private angelegt hatten, waren 
schon während der Schreckenszeit die Reste vornehmlich der Kunst- 
industrie aus den aufgehobenen oder zerstörten Kirchen und Klöstern 
in einem besonderen Museum, Musee des monuments francais in 
den Klosterräumen der Petits Augustins, dem Vorläufer des Musee 
Cluny zu Paris autgehäuft worden. Schon damals studirten classi- 
cistische Jünger David's diese Reste, und der leicht beziehbare Vor- 
rath von Beiwerk für Historien- wie Genrebilder regte von selbst 
an, den Schauplatz, wie es auch Gros in seinem S. Denisbilde ver- 
sucht hatte, statt aus dem Alterthum oder der Gegenwart, aus der 
mittleren Zeit zu wählen. An das Geräthstudium reihte sich das 
Interesse für die Lokalität und so ergab sich gleichsam von selbst
        

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