Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527924
Apostels der gothischen Architektur war desshalb mit dem grossen 
N achtheile verbunden, dass sich daran jenes Aufputzsystem beliebiger 
Bauten und Räume mit gothischem Zierrath, das uns jetzt an den 
Arbeiten dieser Zeit so unerträglich scheint, gross zog, und zwar in 
so wuchernder Weise, dass sich bald fast in jedem Hause wenigstens 
eine Gesellschaits- oder Arbeitsstube mit gothischem Getäfel, Fenster- 
werk und Meublement fand. Heideloff hatte hiezu mit der Einrich- 
tung des 5011108565 in Cßburg 1816 den Anstoss gegeben. Nach 
Nürnberg übergesiedelt und daselbst zum Lehrer der Architektur 
ernannt, fand er zwar in der mittelalterlichen Reichsstadt Gelegen- 
heit genug, sich aus dem vorherigen Dilettantismus zum gediegeneren 
Kenner aufzuschwingen, besonders dadie ihm übertragene Restau- 
ration sämmtlicher gothischen Kirchen daselbst wie seine Stellung 
als Lehrer zu näherem Eingehen zwangen; allein seine folgenden 
Neubauten, die Kirchen zu Oschatz in Sachsen und zu Sonneberg 
in Thüringen, die katholische Kirche zu Leipzig und die Burg zu 
Lichtenstein in Württemberg verrathen trotzdem noch seine ungründ- 
liehen Anfänge. Da selten das Ornamentale aus dem Constructiven 
herausgewachsen erscheint, so sind sie Str-auchwerk ohne Wurzel, das 
desshalb auch keinen frischen und gesunden Eindruck machen kann. 
War Schwaben und Nürnberg vorzugsweise zur Wiederbelebung 
der Gothik  freilich zunächst mehr eine Wiederbelebung wie sie 
der Physiker an gewissen todten Körpern vornimmt  der geeignete 
Ort, so mussten die Rheinlande, von Worms bis Cöln, so reich an 
den mannigfachsten älteren Werken, die Aufmerksamkeit auch auf 
den romanischen Styl lenken. Hier war es K. B. J. v. Lasaulx aus 
Goblenz, geb. 1781, T daselbst 1841, welcher mit Restaurationen 
wie an der Florinuskirche zu Coblenz beginnend vorwiegend in 
romanischem Style erfolgreich sich bethätigte, und in diesem die 
Dreifaltigkeitskirche zu Weissenthum bei Coblenz, die Kirchen zu 
Güls, Capellen, Coben u. A. erbaute und dann zu Rheineck und 
an mehren Burgen des Rhein auch dem Profanbau seine Aufmerk- 
samkeit zuwandte. Wie neu die Sache und wie missachtet besonders 
die Bauweise des früheren Mittelalters war, erhellt aus dem Umstande, 
dass der Berichterstatter über seine Werke i") noch nicht einmal 
einen Namen für den romanischen Styl zur Verfügung hat. 
 
Kunst 
)latl 
1832.
        

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