Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525221
lich so viel von dem unteritalienischen Naturalismus angenommen wor- 
den, dass die Italiener wohl ein Recht hatten, ihn durch den bezeich- 
nenden Zunamen Gerardo della notte als den ihrigen zu Stempeln. 
Sandrart bezog durch ihn die gemischte Auffassung und schloss sich 
namentlich den Beleuchtungseffekten durch künstliches Licht an, 
worin Honthorst sich seinen sprüchivörtlichen Ruhm erworben. In Rom 
auch mit Poussin bekannt geworden und später nach Deutschland 
und Holland übersiedelnd, suchte er dem Italianismus noch von 
classicistischer und niederländischer Art aufzupfropfen, was möglich 
war, wodurch er sich ZWELY vor einseitiger Manierirtheit zu-beivahren 
wusste, jedoch nicht ohne durch die widerstrebende Compilation an 
Haltung, Ruhe und geschlossenem Charakter zu verlieren. Dieselbe 
Getheiltheit finden wir in den beiden Roos, Vater und Sohn, eben- 
falls Frankfurtern, deren Landschaften mit Thierstaffaige zwischen 
der italienischen und niederländischen Auffassung die Mitte halten, 
während Joh. Lingelbach aus Frankfurt sich in mehr Ausschliess- 
lichkeit an das Vorbild Vilouivermands und der Holländer überhaupt 
hielt, welche Richtung dann im 18. Jahrhundert das entschiedene 
Uebergetvicht erlangte. 
Die Plastik legte in der gleichen Periode zwar einen in man- 
chem Betrachte abweichenden Weg zurück, gelangte aber mit dem 
Anfang des 18. Jahrhunderts zu demselben Ziele, wie ihre bevor- 
zugte Schwesterkunst. In gleicher Weise war auch bei ihr sowie 
der Aufschwung, so auch der Verfall von Italien ausgegangen. 
Sie hatte in Michelangelo ihren Höhenpunkt erreicht, allein durch 
diesen auch den Anstoss zum Stylverlust empfangen. Die Subjek- 
tivität des grossen Meisters, dessen Genie keinen Unterschied machen 
zu dürfen glaubte, ob er mit dem Pinsel oder mit dem Meissel seine 
Riesenwerke schuf, hatte die heilsamen Schranken vollends nieder- 
gerissen, welche seit Ghiberti Wenigstens noch zum Theil das Gebiet 
des Malerischen von dem des Plastischen trennte, und wohl noch 
mehr von dem ersteren in die Bildnerei getragen, als umgekehrt. 
Die imponirende Erscheinung seiner Schöpfungen beherrschte ein 
volles Jahrhundert lang die Plastik nicht blos Italiens, sondern auch 
eines Theiles der übrigen Kunstländer und statt des eigentlich plasti- 
schen war der michelangeleske Styl geradezu Ideal für die nächste 
Periode geworden. Von dem nichtswürdigen Rivalen des grossen 
Florentiners Baccio Bandinelli an bis Stefano Maderna traten die
        

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