Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527887
276 
Buch. 
Weiterer 
Romantik  
der deutschen 
Verlauf 
Der Plastik konnte die Romantik schon prinzipiell nicht förder- 
lich sein, weil diese Kunst der reinen Form mehr als die Malerei 
auf formalen Anschluss an die als Ideale vorschwebenden Vorbilder 
mithin auf Imitation gewiesen war. Ja es wurde sogar da, wo man- 
romantischer Sculpturen hauptsächlich benöthigt war, nemlich an den 
im gothischen oder romanischen Style hergestellten Neubauten wie 
Restaurationen von den Bestellern darauf gesehen, dass die gelieferten 
Werke möglichst wstylgetreua sich den wächtem an die Seite setzten. 
Dass dadurch der Mittelmässigkeit und dem handwerksmässigen 
Betriebe Thür und Thor geöffnet wurde, ist um so selbstverständ- 
licher, als die Wahre Kunst den bald massenhaft fluthenden Auf- 
trägen nicht mehr gerecht zu werden vermocht hätte. Ueberdiess 
bedient sich bekanntlich die Gothik der Plastik in so verschwenderisch 
decorativer Weise, dass die Einzelbetrachtung wegen Massenhaftig- 
keit und Aufstellungslokalitäten ohnehin ausgeschlossen ist. Wenn 
daher die Romantik auch tausend Meissel in Bewegung setzte, so 
beschäftigte sie doch nur wenige Künstler; denn wenige hatten 
Gelegenheit und noch wenigeren ist es gelungen, ihre Aufgaben zwar 
im Geiste der Romantik aber mit den vollen Kunstmitteln und in 
der originalen Weise wie sie von wirklich künstlerischem Schaffen 
unzertrennlich ist durchzuführen. 
Im Gebiete der Plastik überwiegt, da vorzugsweise die Kirche 
oder private Frömmigkeit die Aufgaben stellte, die religiöse Romantik 
die Ritten, Sagen- "und Märchenromantik bei  weitem. Einzelne 
Meister haben sogar profane Aufträge häufig geradezu von sich 
gewiesen und das religiöse Fach mit derselben Ausschliesslichkeit 
cultivirt, wie Overbeck unter den Malern. Als Prototyp der religiösen 
Bildner kann Konrad Eberhard, geb. zu Hindelang bei Sonthofen 
1768, 1- zu München 1859, bezeichnet werden. Aus einer Bild- 
schnitzerfamilie des Alpenlandes stammend, wo bekanntlich die mittel- 
alterlichen Anschauungen in dem frommgläubigen Sinne der Bewohner 
niemals erloschen sind, war er durch Vermittlung; des Churfürsten 
von Trier und Bischofs von Augsburg, Clemens Wenzeslaus, der ihn 
bei ähnlichem Anlasse, wie er bei Jos. Koch erwähnt worden ist, 
kennen gelernt, 1796 an die Münchener Akademie und in die Schule 
des Hofbildhauers R. Boos gelangt. Hier hatte er zwar in die 
classicistische Weise einlenken müssen und nach einem Jahrzehnt 
als Stipendiat in Rom in diesem Gebiete recht 'l'ücl1tiges geleistet,
        

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