Volltext: Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873

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Buch. 
CRP- 
Weiterer 
der 
Verlauf 
deutschen 
Romantik. 
waldsen's und in dem jungen Tobias f) bethätigte. Doch weit entfernt 
sich der Overbeck'schen Richtung ganz anzuschliessen, hatte er viel- 
mehr, bestärkt durch den Vorgang Waclrs, der auch nicht verschmäht 
hatte, die Präraphaeliten zu skizziren und selbst zu copiren, experi- 
mentelle Ziele verfolgt und war in der Lage die angenommene 
Richtung ebenso leicht wieder abzustreifen wie die früheren. Nach 
Berlin zurückgekehrt (1824) und mit der neuen Weise wenig Beifall 
ärntend, wandte er sich denn auch sofort unter Wiederaufnahme 
des Modellstudiums für Porträt- und andere Zwecke seiner vierten 
Phase zu, in Welcher wir ihm später begegnen werden. Noch findet 
sich eine leise Spur Overbecktscher Weise in dem oberen Theil seines 
Auferstehungsbildes  wie aber in dem untereniTheile Realität und 
Modellsttidiunl wieder in Kraft sind, so kehren sie in den folgen- 
den Werken in ihre ausschliessenden Rechte zurück. 
Im Gegensatze zu der auf die italienischen Präraphaeliten basirten 
Richtung des Overbeck'schen Kreises hatten einige andere Künstler 
in der Weise der Olivieifs und eines Passavant an die ältere deutsche 
Kunst angeknüpft, ja zuweilen ihre Vorliebe bis zur förmlichen Styl- 
imitation der Illuminatoren des 15. Jahrhunderts wie der flandrischen, 
oberrheinischen, schwäbischen und dürerschen Schule übertrieben. 
Als einer der hervorragendsten dieser Richtung und als einer der 
ältesten Vertreter der Romantik überhaupt ist O. W. Kolbc aus 
Berlin, geb. 1781, "t 1853 zu nennen, dessen Bilder sich grössten- 
theils im Gebiete der Ritter- und Märchenwelt bewegen und in ihrer 
Behandlung an mittelalterliche Miniaturen gemahnenütf). Entschieden 
unglücklich in seiner Theilnahme an der Ausmalung des Berliner 
Schauspielhauses war er dafür die geeignetste Persönlichkeit zu den 
Entwürfen für die Glasgemälde des Marienbu-rger Schlosses 1822-1827. 
Noch entschiedener archaisirte G. Dittenberger aus Heidelberg, längere 
Zeit in München thätig, der h. Familien wie Allegorien und ritter- 
liche Darstellungen in affectirt altdeutschem Style gab. Dasselbe strebte 
C. Ballenberger aus Ansbach, geb. 1801, 1' 1860, mit solchem Erfolge 
an, dass man bei oberflächlicher Betrachtung seiner Bilder hinsichtlich 
des Jahrhunderts ihrer Entstehung irregeführt werden konnte; ähn- 
r) Beide in der Berliner National-Gallerie. 
i") Hauptbild der Werder'schen Kirche zu Berlin. 
Hi) Z. B. Ansicht einer Strasse in einer altdeutschen 
zu Berlin. 
Stadt. 
N ationalgal 
lerie
	        
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