Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525218
gewandt, um dort in die Lehre zu gehen, wie es nach dem Er- 
löschen der Eyck'schen Schule auch die Niederländer gethan. Doch 
nicht nur vorübergehend wie jene, Welchen bald die Genialität eines 
Rubens eine zweite nationale Kunstblüthe eröffnete. Denn nachdem 
man längere Zeit die nachalimenswcrthesten Vorbilder unter den  
auch räumlich zunächstliegenden  Venetianern und vornehmlich 
an Tintoretto gefunden zu haben glaubte, wovon Künstler wie Hans 
von Aachen aus Köln, Joh. Rottenhammer und Christoph Schwarz 
aus München Zeugniss geben, wandte sich die Vorliebe der Deutschen 
unter gänzlicher Vernachlässigung des italienischen Cinquecento mehr 
den späteren Eklektikern und endlich den Caravaggisten zu, welch 
letztere in ihrer effektvollen Derbheit den nordischen Kunstjüngern 
noch am zusagendsten erscheinen mussten. So namentlich die beiden 
Loth, Vater und Sohn aus München. Wenn einige, wie Ad. Elz- 
heimer aus Frankfurt, auch ihrer Eigenart Rechnung zu tragen 
suchten, so fand ein solches höchst anerkennenswerthes Streben bei 
den Zeitgenossen keine Würdigung, wie das traurige Ende dieses 
hochbegabten Künstlers im Schuldgefängniss zeigt. Das zumeist 
seelenloose Virtuosenthum, die technische Handfertigkeit der damali- 
gen italienischen Kunst imponirte den leicht zu befriedigenden nörd- 
liehen Nachbarn zu sehr, als dass Eigenes, von dem über die Alpen 
eingeschleppten Geschmack Abweichendes hätte aufkommen können. 
Doch mussten die Grundsätze der Eklektiker darauf führen, das 
vorbildsuchende Auge auch auf Ausseritalienisches zu richten, wenn 
es einmal an Kraft und Muth gebrach, die eigene Anschauung, falls 
eine solche den zumeist beschränkten Talenten überhaupt zu Gebote 
Stand, zur Geltung zu bringen. Der Neuaufschwung der niederlän- 
dischen Kunst konnte weder ignorirt, noch unterschätzt werden, 
wenn auch die Strömung der Kunstivanderung noch immer vorwie- 
gend über die Alpen ging. Die Niederländer selbst pflegten auch 
mit Rubens noch nicht aufzuhören, Italien zu Studien zu besuchen, 
und so ergab sich die Berührung von selbst. Zunächst suchten 
deutsche Künstler beide Richtungen zu paaren, "V35 Cpßchelnacllßnfl 
zuerst durch den thätigen Joachim v. Sandrart aus Frankfurt ge- 
Schah. Hierzu hatte zwar schon sein Lehrer, der Holländer Gerard 
Honthorst den Grund gelegt; doch war durch dißSell von seiner ein- 
heimischen, ihm durch A. Bloemert vermittelten Kunstanschauung 
bei allzu langem Aufenthalt in Italien zuviel preisgegeben und nament-
        

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