Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527759
ein Leiden, das rechte Streben ein Entsagen ist  inniger. Weit 
weniger glücklich war er in einem seiner letzten Oelgemälde M181" 
ungläubige Thomase, Welches nach England gelangte- 
Zu monumentaler Thätigkeit, die ihm bei der langsamen Bedächtig- 
keit und Liebe zu zarter Durchführung, Wie schon erwähnt, nicht 
zusagen konnte, fand er nur noch zweimal Gelegenheit, in dem 
wRosenwunder des h. FfüflZiSkllSc, das er auf Bitte der Ordensbrüder 
des Heiligen a1 fresco auf dessen kleines Bethaus, jetzt in die Kirche 
S- Maria degli Angeli bei Assisi eingeschlossen, malte, und Welche-S 
die fYeudige Hingabe an die schöne und den Anschauungen des 
Künstlers ganz entsprechende Aufgabe nicht verkennen lässt, und in 
dem Temperagemälde im Quirinal, das er auf Bestellung des Papstes 
Pius IX. für jenes Zimmer herstellte, in Welchem Papst Pius VII. 
gefangen genommen worden war. Es stellt mit Bezug auf die Flucht 
des ersteren im J. 1848 die Verfolgung Christi, d. h. den Heiland 
dar, der vom Rande eines Felsens aus sich seinen Feinden durch 
die Luft entzieht. Ist schon der Gegenstand der Kunst nicht günstig, 
so war es noch misslicher, dass sich hiebei der Künstler den hin- 
sichtlich des Anlasses verwandten Stanzenbildern Raphaels möglichst 
ferne hielt und in Formgebung wie Farbe ausserordentlich archaisirte. 
Zu seinen monumentalen Arbeiten können noch die Cartons zu Fresken 
der Villa Torlonia in Castel Gandolfo, einige Entwürfe für die Fresken 
der Kathedrale zu Diakovar, wie zu einem Fenster der Katharinenkirche 
zu Hamburg vChristus das Vaterunser lehrende gerechnet werden. 
Alle diese Werke sind jedoch nur verhältnissmässig Wenigen 
bekannt. Seine ausserordentliche Popularität und seinen weit über 
den persönlichen und schulmässigen hinausreichenden Einfluss ver- 
dankt er" vielmehr seinen kleineren für Stich und Publikation berech- 
neten und in der That in jeder Art von Nachbildung ungemein 
verbreiteten Zeichnungen. Ohne auf die zahlreichen Einzelblätter, 
von welchen mehre sehr schöne aus dem Besitz von Frln. Linder 
in das Baseler Museum gelangt sindö), eingehen zu können, muss 
 
d") Gott erscheint dem Elias auf dem Berge Horeb, Maria und Joseph anbetend 
(mit Randzeichnungen), Findung Mosis (raphaelesk), der zwölfjährige Jesus im 
Tempel (sehr schön), die Bewohner Sodonfs an der Thüre L0t's mit Blindheit 
geschlagen (vorzüglich), die Manna sammelnden Israeliten, Mariäi Verkündigung 
und Heimsuchung (archaistisch), die Auferweckung von Jairi Töchterlein, u. a. 
minder bedeutende Blätter.
        

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