Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527743
262 
Buch. 
CHP- 
Weiterer 
Verlauf 
der 
deutsch en 
R01 
aantik. 
hervorgehobenen Hauptmeistern Raphael und M, Angele, rechts- 
einzelne Lieblinge mit Deutschen in Zusammenhang gebracht, so 
Fiesole und Benozzo Gozzoli mit van Eyck und Memling, A. Dürer 
mit Mantegna u. s. w. Das Höchste von Geschraubtheit aber ist 
die Mitte, wo sich um den van Eyck' entlehnten Brunnen des Lebens 
zwei Kategorien giuppiren und zwar um die höhere Schale, in welcher 
sich der Himmel spiegelt, die Idealisten, darunter Holbein  der 
unteren dagegen zugewandt und die irdischen Spiegelbilder betrachtend, 
die Meister der Farbe und sinnlicher Wahrheit. Wagen wir es daher, 
das Unternehmen des Meisters als ein verfehltes, seinen Kräften 
fremdes zu bezeichnen. Befähigt wie Wenige Künstler seiner Zeit 
gewisse Stimmungen der Seele, namentlich die zarten, innigen und 
wehmuthvollen der leidenden Unschuld, wie die seligen der Ver- 
klärung und Ekstase wiederzugeben, entbehrt er fast gänzlich der 
scharfen Charakteristik und der Bezeichnung geistigen Inhalts, und 
darum erscheinen auch die meisten Gestalten des berühmten Werkes 
fast leblos und leer. Immerhin aber darf es wenigstens in formaler 
Beziehung noch als gelungener bezeichnet werden, wie das oben- 
genannte für den Cölner Dom bestimmte Gemälde. 
Anders verhält es sich mit der herrlichen Schöpfung, die der 
Meister auf Bestellung seiner Vaterstadt Lübeck (1837) für die dortige 
Marienkirche, in welche schon sein bereits erwähntes Erstlingswerk 
gelangt war, lieferte. Frei hinsichtlich der Wahl des Gegenstandes 
hatte er xdie Klage um den Leichnam Christic erkoren. Kaum über die 
ersten Anfänge hinaus wurde er durch den schweren Schlag betroffen, 
seinen hoffnungsvollen Sohn, der bereits in den künstlerischen Bahnen 
des Vaters wandelte, zu verlieren. Der Schmerz darüber verlieh 
seiner Empfindung noch mehr Tiefe und Kraft und das, wie er selbst 
sagte, blllltOf Thränen entstandenes Werk gedieh zu den besten 
seiner Gemälde. Das Berechnete und Künstliche oder wenigstens 
Geschraubte seiner sonstigen Empfindung ist hier voller Wahrheit 
gewichen, welche auch der schönen Schöpfung, wohl der schönsten 
der Neuzeit in religiösem Gebiete, einen bleibenden Wertli sichern 
wird. In der That fasst, wie A. Hagen bezeichnend sagti"), kein 
Maler der Neuzeit das dem alttestamentlichen Geiste entgegengesetzte 
weibliche Wesen des Christenthums  bei dem das rechte Handeln 
L 
Die deutsche 
Kunst in 
LIIISQPEIH 
Jahrhundert. 
Berl. 
1857. 
141.
        

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