Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527720
260 
Buch. 
Weiterer 
Verlauf der 
deutschen 
Romantik. 
S0 z. B. die heilige Familie t), bei welcher Arrangement, Formgebung, 
Farbe; ja selbst die Landschaft dem Urbinaten abgelauscht ist, hinter 
Welchem freilich die Köpfe, namentlich der Kinder empfindlich zurück- 
bleiben. Der einen so engen Anschluss allein ermöglichende Mangel 
an eigener Originalität mochte ihm auch selbst nicht verborgen sein, 
wenigstens zog er die Zeichnung wohl nicht bloss desshalb der Aus- 
führung in Farbe vor, weil jene der Vervielfältigung und damit seinen 
propagandistischen Zwecken mehr entgegen kam, sondern weil er 
mit aller sclbstquälerischen Mühe, wie sie seine langwierige auf Ver- 
treiben und Lasuren basirte Technik mit sich brachte, technisch 
über die Resultate eines sorgfältigen Copisten der älteren Meister 
nicht hinauszukommen vermochte. 
So sind denn auch seine weiteren Gemälde trotz seiner langen 
Thätigkcit verhältnissmässig selten und mit wenigen Ausnahmen nicht 
seine bedeutendsten Arbeiten. Ueberdiess verrathen z. B. seine 
sVermählung der h. Jungfraua") und sein für Frln. Linder gemalter 
xTod des h. J osephöff), das der Literatur günstigere wnonum prematu- 
in annunm durch das Fehlen frischer Ursprünglichkeit und genialer 
Inspiration. Auch seine beiden Hauptwerke unter den Staffeleibildern 
ader Bund der Künste mit der Religiona 1') (1840 vollendet) und die 
Krönung Mariä-H) entschädigen durch die ersichtliche liebevolle 
Hingabe wie durch die fast beispiellose Sorgfalt der Ausführung nicht 
für die vermisste Originalität und  besonders in dem ersteren 
Werke  für die Gesuchtheit mystischer Bezüge. Während uns in 
dem grossartigen Prototyp aller ähnlichen Darstellungen, der Disputa 
Raphaels, die Gestalten des himmlischen wie des irdischen Kreises weit 
entfernt von allen gezwungenen oder" particularistisch-confessionellen 
Bezügen als Pfeiler des Christenthums selbst in wunderbarer Selbst- 
Verständlichkeit gleichsam in leuchtender Lapidarschrift entgegentreten, 
erscheint in Overbeck's wBund der Künstea das Ensemble wie das 
Einzelne in matter Geschraubtheit, ja selbst theilweise verfehlt. Ist 
 Neue Pinakothek zu München Nr. 60, gest. v. J. Felsing. 
ä") Gal. Raczynski in Berlin N1'. 5, Holzschnitt bei Raczynski. III. S. 335. 
 Museum zu Basel Nr, 362, gest. v. Steifensand. 
T) Im StädePschen Museum, Carton in der Kunsthalle z. Carlsrulme, gest. 
v. S. Amsler. 
TT) Für den Hochaltar des Domes zu Cöln bestellt, aber in einer Chor- 
kapelle der rechten Seite aufgestellt.
        

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