Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527711
brüderschaft genannt, so hätte man auch das Doppelgesicht dieses 
Hauptes betonen sollen: denn von diesem modernen Janus blickte 
das Antlitz des Cornelius ebenso kühn ilach der Zukunft, wie das 
des Freundes beharrlich nach der Vergangenheit zurücksah. 
Daher lölieb denn auch Overbeck bald auf einer einmal erreichten 
Höhe stehen, und schuf fast ein halbes Jahrhundert lang unverrückt 
auf seiner Bahn oder richtiger in seinem kreisförmigen Geleise bleibend 
1116111" emsig als rüstig fort. Wenn es überhaupt möglich ist, ohne 
Fortschritt nicht rückwärts zu gehen, so kann diess von ihm gesagt 
werden. Doch das richtige Gefühl von der Aufgabe der Kunst im 
idealen Sinne kam ihm mehr und mehr abhanden. Denn der bekannte 
Satz, dass die reine Kunst keinen anderen Zweck als sich selbst 
haben könne, schien für ihn nicht zu existiren. Er sprach es viel- 
mehr wiederholtä) und unumwunden aus, dass seine Schöpfungen 
nur geringe Werkzeuge im Dienste der Kirche sein sollten und dass 
ihm die Hoffnung durch seine Werke eine Seele in Glauben und 
Andacht gestärkt zu haben, weit mehr gelte als aller Ruhm. Sobald 
diese Tendenz völlig gereift war, hatte es dann auch mit profanen 
epischen oder allegorischen Darstellungen wie in der Villa Massimi 
oder in seiner Italia und Germania, auch mit den selbstverständlich 
nicht gelingenden Bildnissen ein Ende und das christliche Stoffgebiet 
wurde nun fast nie mehr ff) oder nur durch gelegentliche Heran- 
ziehung des alten Testamentes überschritten. Wie förderlich ihm 
der ungleich bildsamcrc Stoff des letzteren gewesen wäre, zeigt ausser 
der schönen Composition wMoses und die Töchter Jethrolsaräf) die 
sHimmelfahrt des Eliaswt) (1827), an welcher die Kühnheit der Zeich- 
nung und die Wucht des den Wagen der Erde entraäenden Vier- 
gespannes wahrhaft überrascht, wenn man des Künstlers sonstiger 
Hinneigung zu Fiesole und den Umbriern gedenkt. Denn seine Ab- 
hängigkeit von diesen bis zur Frühzeit Raphaels erscheint in allen 
Werken aus dem neutestamentlichen Kreise so gross, daSS manche 
seiner Arbeiten auf den ersten Blick als Gopien solcher gelten können. 
 Vgl. seine Briefe bei F. Binder a. a. O. 
 n) Wie er sich entschliessen konnte, den Thorwaldseifschen 
für den Stich zu zeichnen, ist unerklärlich. 
 Im Besitz des Lord Hatfield, gest. v. L. Grüner. 
1') Gest. v. Ruscheweyh und J. G. Koch. 
Alexanderzug
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.