Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527624
gereichen, ebenso wenig der beinahe gedrängte Reichthum der COmpQ- 
Sition, mit welchem seine unerschöpfliche Phantasie immer mehr als 
mit Ausfüllung von Lücken zu kämpfen hatte. 
Selbst der bedeutendste seiner Genossen, Overbeck, den wir in 
den Massimifresken weit vortheilhafter kennen lernen Werden, blieb 
namentlich in seinem vVerkauf Josephse beträchtlich hinter Cornelius 
zurück. Entschieden unglücklich in der Wahl seines Gegenstandes, 
erreicht er auch in der Hauptfigur, dem weinenden Joseph, seine 
sonstige Höhe nicht. Die Köpfe der meisten Brüder erscheinen leer, 
Geberden und Mienen der den Widder schlachtenden verrathen sogar 
statt listigtrotziger Schadenfreude vielmehr übelangebrachten Wohl von 
Seite des Künstlers unbeabsichtigten Humor. Nicht selten tritt auch 
das Studium der Florentiner seit Masaccio allzu unmittelbar entgegen 
wie an Joseph und an dem von rückwärts sichtbaren Knappen. 
Gelungener ist das Lunettengemälde xdie sieben mageren Jahres, 
an Overbeck befremdend durch überaus sorgfältiges Modellstudium, 
welches jedoch trotz der Hungertypen mit mehr Formschönheit zu 
verbinden gewesen wäre. Glücklicher war Veit in dem Gegenstande 
sdie sieben fetten Jahree, wenn auch die Gruppe des übermüthigen 
und des verklagenden Knaben in der rechten Ecke als misslungen 
zu betrachten ist. Am wenigsten vermochte seiner Aufgabe Schadow 
gerecht zu werden, was ihm auch für immer die Lust am Fresco 
verleidete. Für seine mehr äusserliche Tendenz war es unerträglich, 
dass diese Technik ihm jede sorgfältigere Durchbildung und Ueberarbei- 
tung, wie höhere coloristische Reize unausführbar machte. Schadow 
wollte malen im engeren Sinne und war von Corneliusl Grundsätzen 
wohl am weitesten entfernt. 
Noch ehe das Werk vollendet War, wurde der Saal der Casa 
Bartholdy ein Zielpunkt für Kunstfreunde und Neugierige. Der Spott 
gegen die maestri della maniera secca verstummte, die Anerkennung 
wdr ungetheilt und wie selbst ein Canova durch den Anblick ver- 
anlasst war, zur Malerei im Vatican einzelne der deutschen Genossen 
zu empfehlen, so erfassten erleuchtete Fürsten hier den Gedanken, 
die jungen Kräfte zu ähnlichen und grösseren Unternehmungen 
heranzuziehen. Mit Entschluss tuld Ausführung kam jedoch dem 
deutschen Fürsten, dem jugendlichen Kronprinzen Ludwig von Bayern, 
ein römischer, Marchese Massimi zuvor, Welcher mit dem Raum zu- 
gleich den erwünschtesten und angemessensten Stoff bot.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.