Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527581
Bedingung seiner Rückkehr machte, ihn nicht verstanden oder ver- 
stehen wollen. In unerfüllter Sehnsucht nach voller Bethätigung 
seiner Mission war Carstens hinübergegangen, 
Die Lage der Kunst hatte sich seitdem etwas verbessert. Die 
transalpinischen Künstler in Rom hatten in dem Hause der diploma- 
tischen Vertreter Preussens eine Art von häuslichem Herd gewonnen. 
Schon vor dem Eintreffen der Romantiker hatte sie W. v. Hum- 
boldt un1 sich geschaart, und von dessen Nachfolgern zeigten sich 
der 1815 nach Rom gelangte Generalconsul S. Bartholdy und seit 
1816 der Gesandte Niebuhr, wie auch Bunsen lebhaft für die Pflege 
der Kunst interessirt. Humboldt war schon 1808 abberufen werden, 
hatte auch seinen Cirkel zu kosmopolitisch gehalten, als dass von 
einer entschiedenen Förderung der nationalen Kunst hätte die Rede 
sein können, denn sein und seiner trefflichen Gattin Verhältniss zu 
Rauch war vielmehr ein persönliches. Bartholdy dagegen fand bereits 
die deutsche Künstlergenossenschaft in vielversprechendem Aurblühen, 
Cornelius an der Spitze der Schaar und überdiess im nicht blos 
reifen, sondern auch ausgesprochenen Bewusstsein seiner Mission. 
Hatte er doch schon einige Monate vor Bartholdy's Ankunft sein 
berühmt gewordenes manifestartiges Sendschreiben an J. Görres 
erlassen, in welchem er auf die Nachricht hin, dass jener einfluss- 
reiche Romantiker sich am preussischen Hofe um Pension für ihn 
verwendet, die Gelegenheit ergriffen, mit der Danksagung vor dem 
Gönner sein Herz auszuschütten f). Mit patriotischer Begeisterung 
spricht er den Wunsch aus, dass die Kunst im deutschen Vaterlande 
in ihrer alten Kraft, Schönheit und Einfalt erwachte und mit dem 
wiedergebornen Geist der Nation gleichen Schritt hielte. Deutschland 
stehe auf einem Punkt, wo es einer solchen Kunst nicht entbehren 
sollte, die ein mächtiges Organ zu manchem Tretflichen sein könnte. 
Auch habe bereits eine kleine Anzahl deutscher Künstler, gleichsam 
durch eine göttliche Erleuchtung von der wahren Hoheit und Gött- 
lichkeit ihrer Kunst durchdrungen, angefangen die verwaehsene Bahn 
zu ihrem heiligen Tempel zu reinigen. Das Häuflein harre auf eine 
würdige Veranlassung und brenne vor Begierde, der Welt zu zeigen, 
dass die Kunst jetzt wie einst herrlich in's Leben zu treten vermag, 
wenn sie nur aufhören wolle, eine feile Dienerin üppiger Grossen, 
L 
3. Nov. 1814. 
Abgedruckt im Archiv f. 
die zeichnenden Ki 
inste 1867. S. 
352.
        

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