Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527497
zu sein und verliess im August 1811 Frankfurt. Allein die Jugend- 
träume von dem Zauber Italiens schienen sich nicht bestätigen zu 
wollen, Ungemach jeder Art vergällte jeden Genuss, so dass die 
Genossen (der Kupferstecher Xeller begleitete ihn) von dem Augen- 
blicke an, als sie die Alpen hinter sich hatten, ohne sich weiter 
umzusehen, missvergnügt vorwärts strebten. Cornelius, trübe Stimmung 
steigerte sich bis zur Krankheit, er wünschte sich zurück, fühlte sich 
auch südlich von Florenz bis zum Tode erschöpft, als ihn ein heftiger 
Blutauswurf Zivang, den Wagen zu verlassen und sich auf die Erde 
zu legen. Glücklicherweise widersetzte sich der Vetturin dem Wunsche 
des Kranken, der die Rückkehr wirklich verlangte, und so ging es 
weiter, Rom zu. Die Trostlosigkeit hob sich mit der Besserung von 
Cornelius' körperlichem Zustande, allein die volle Empfänglichkeit für 
die Schönheiten von Bolsena, Montefiascone, Vico u. s. w. fehlte, 
und die Freunde stimmten darin überein, dass Italien einen Rhein 
und Neckar doch nicht habe. Die deutsche Romantik stack schon 
zu tief in ihren Köpfen und Herzen, als dass flüchtige Eindrücke 
anderer Art sie wieder zu verdrängen vermocht hätten. 
Mit welch anderen Gefühlen mochte ein Jahr vorher Overbeck 
nach der Höhe von Fiesole geblickt, oder durch Perugia gefahren 
sein, WO sich sein Ideal entfaltet hatte. Solche Empfindungen waren 
durch das rheinische Quatrocento, wie durch die Fauststudien dem 
ganz anders angelegten Cornelius fremd geblieben oder geworden. 
In Rom angekommen, fühlte er sich von Reue gequält nach Italien 
gegangen zu sein: wIch sage Dir, Moslerß schreibt er an diesen, 
wein deutscher Maler sollte nicht aus seinem Vaterlande gehen! 
Ich habe nun diesen Schritt der Zeit entgegengethan, und es ist gut 
S0; aber lange mag ich nicht unter diesem warmen Himmel wohnen, 
wo die Herzen so kalt sind, und ich fühle es mit Schmerz und 
Freude, dass ich ein Deutscher bis in's innerste Lebensmark binß 
Allein das Gefühl der Vereinsamung währte nicht lange, bald SChIOSS 
er mit Overbeck innigste, das ganze lange Leben hindurch währende 
Freundschaft. Die Wege, welche die beiden Romantiker bis dahin 
eingeschlagen, waren freilich grundverschieden, aber Cornelius fand 
bei dem Freunde dieselbe redliche ganze Hingabe an die Kunst, 
denselben Ernst des Strebens, wie er ihn beseelte. Er fand überdiess 
an dem jüngeren Genossen eine gewisse Ueberlegenheit in der Technik 
und idealen Formengebüng, in Colorit und Gomposition, die ihm
        

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