Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527468
rheinische und flandrische Art denken, Welcher sich der junge Künstler 
nun mit Innigkeit anschloss. Damit stellte er sich zwar auf den ihm 
mit dem Overbeck'schen Kreise gemeinsamen Boden der Romantik, 
im Gegensatz zu dessen Hinneigung zum italienischen Quatrocento 
aber auf mehr nationalen Standpunkt. 
Dieser Gegensatz wurde noch augenfälliger durch die nationale 
Stoffwelt, in welche sich Cornelius seit seiner Uebersiedlung nach 
Frankfurt einspann. Von der Ausschliesslichkeit, mit welcher Overbeck 
sein Gebiet cultivirte, ist zwar bei ihm von vornherein keine Rede. 
So ist an der vom Fürstprimas Carl v. Dalberg bestellten heiligen 
Familie t) das raphaeleske Vorbild, an den Zeichnungen zu einem 
Transparent für das Geburtsfest des Fürsten tt) wie an den aus der 
classischen Mythologie entnommenen Entwürfen zu den Tempera- 
malereien im Schmidtschen (jetzt Mumnfschen) Hause t") das 
Antikenstudium unverkennbar. Nur der Entschluss, der herrschenden 
akademischen Manier keine Concessionen mehr zu machen, stand in 
ihm so unerschütterlich fest, dass sogar eine ihm überaus schwere 
Versuchung ihn nicht demselben untreu machen konnte. Der Fürst- 
primas hatte ihm nemlich ein namhaftes Stipendium zum Zwecke 
weiterer Ausbildung in Rom unter der Bedingung angeboten, dass 
er ihm einen Pendant zu einer wFusswaschunge von Hofmaler Kauf- 
mann in dessen Art malte. Allein der Künstler wies die Zumuthung 
zurück, selbst um dem seit vielen Jahren ersehnten Preis, seiner 
Ueberzeugung entgegen zu treten. 
Er war indess auch weit davon entfernt in einem manieristischen 
Nachbilden der rheinischen Quatrocentisten das Heil zu erkennen. 
Nur in der Auffassung sollten sie ihm voranleuchten und ihm gleich- 
sam den Weg zur Fortsetzung einer nationalen Kunst, die nach 
Dürer's Tagen durch den italienischen Einfluss unterbrochen worden 
war, zeigen. Auch wollte er nicht, wenn ihm eigene Wahl vergönnt 
war, seine Stoffe aus dem biblischen und Legendenkreise jener ent- 
nehmen, was allerdings die Gefahr eines allzunahen Anschlusses 
vermehrt hätte. Nicht die christlich-religiöse Romantik, sondern die 
ritterlich-profane laeschäiftigte seine Ideen, die Tragödien Shakespeares, 
 
Ü [m städtischen Museum zu Frankfurt Nr, 98, 
H) Von 1810. Im Besitz des Hrn. Inspektors Malss in Frankfurt. 
Hi) Die Malereien jetzt wieder beseitigt. Die Entwürfe bei Hrn. Inspektor Malss.
        

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