Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527445
232 
Buch 
lII. 
Caly 
Anfang. 
Gornelius" 
Langer ein günstiges Urtheil so wenig mögligh als eineln Goethe, er 
musste diese Richtung als eine Verirrung perhorresciren. 
Overbeck hatte sein Ziel in" seinem 21. Jalwe, als er sich nach 
Rom begab, eigentlich schon erreicht, Wollen und Progamm wurzelte 
fest in der religiösen Romantik, und mit der Gestaltung dieses hatte 
die technische Ausbildung gleichen Schritt gehalten. Cornelius dagegen 
hatte in seinem 26. Jahre, als er sich nach dem Tode der Mutter 
1809 nach drückender Jugend aus den Banden der engeren Heimat 
losmachte und sich nach Frankfurt wandte, seine Richtung noch 
nicht bestimmt vorgezeichnet, hatte Formgebung und Technik noch 
keineswegs in seiner Gewalt, war unklar und zerrissen, durch das 
Urtheil seiner Zeitgenossen nicht gehoben und unreif in jeder Beziehung. 
Seine grau in grau ausgeführten Evangelisten, Apostel und Cardinal- 
tagenden im Chor des Domes zu Neuss f) gefielen so wenig wie seine 
Porträts, da man die Formunrichtigkeiten nicht übersehen konnte, 
und ebenso wenig hatten seine wiederholten Preisbewerbungen bei 
den von den Weimarer Kunstfreunden ausgeschriebenen Concurrenzen 
Erfolg gehabt. Woran es fehlte, erkannte er wohl selbst: aWir 
haben den Kopf voll Phantasie, aber wir können's nicht machem; 
die Hand versagte zur Verkörperung seiner Ideen den nöthigen 
Dienst. Immer grösser aber wurde seine Abneigung durch Anschluss 
an die akademischen Vorbilder diesem Mangel abzuhelfen. Denn es 
beseelte ihn das Bewusstsein, dass er die Schwierigkeiten auf seine 
eigene YVeise überwinden werde. Er findet mach genauer Selbst- 
prüfung, dass er die Kunst auf einen ziemlich hohen Grad bringen 
könntea, wenn er sich blos mit ihr beschäftigen dürfte, und seine 
glücklichsten Ideen nicht schon in ihrer Geburt durch unwürdige, 
den Künstlergeist abstumpfende Brodarbeit ersticken müsste. Manch- 
mal erfüllt dann auch unaussprechliche Wonne sein Herz, wenn das 
Gewölk seiner künstlerischen Unsicherheit sich zu lichten scheint. 
Dann schreibt er an den Freund: wIch eile aus den begeisternden 
Umarmungen der Kunst, um Dir in den Deinigen zu sagen, wie sehr 
ich Dich liebe. Du verzeihst der Göttlichen, wenn sie Dir den 
Freund eine Zeitlang raubt, um ihn Dir immer veredelter und besser 
wieder zu geben. Meine letzten Sachen wirst Du sicher als meine 
besten finden. O ich lebe jetzt wie in einer andern Welt, ganz 
Von 
1802. 
Im 
1865 
Restauration 
des 
Innern übertüncht.
        

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