Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-525179
in 
Malerei 
in Italien und 
den Niederlanden, 
Spanien. 
in gleicher Meisterschaft begegnen, endlich selbst im sog. Stillleben 
und Blumenstück  welche Gattungen als die liingstbleibenden Gäste 
des zum Ende geneigten Gelages gleichsam ihre Gegenstände vor- 
zugsweise der verlassenen Tafel entlehnten  die nicht minder 
bewundernstverthe durchsichtige Klarheit und Wahrheit der Farbe 
in ihrer momentansten Erscheinung. 
Halt man mit diesen Leistungen die gleichzeitigen Italiens 
zusammen, so tritt uns der ungeheuere Abstand und die Erschöpfung 
des Mutterlandes der Renaissance unverkennbar vor Augen. Italien 
war in der Lage eines reichen Erben, der von den1 seinerseits an- 
strengungslos erlangten Besitz einen vergeudenden Gebrauch macht. 
Der reiche Schatz der florentiner und römischen Schule, des Correggio 
und der Venetianer diente entweder einzeln als Folie des Manierismus, 
welcher in schahlonenhafter Vervielfältigung wuehernd ebenso massen- 
haft als werthlos gedieh, oder zusammen dem Eklekticismus, urelcher 
seit dem Hinseheiden der älteren Caraccisten immer flacher und dem 
lllanierismus um so verwandter sich darstellte, als die verschiedenen 
Localschulen ihre örtlichen Traditionen mit den Grundsätzen der 
bologneser Akademiker zu verbinden strebten. Auch der energische 
Protest, den Caravaggio, der Begründer der naturalistischen Schule, 
gegen beide Richtungen erhob, hatte unter seinen späteren Nach- 
folgern seine Bedeutung verloren, als auch hier das Princip des Zu- 
grundelegens der Natur über dem Studium nach den Meistern der 
Schule selbst vernachlässigt werden war. So bot die italienische 
Kunst seit der Mitte des 17. Jahrhunderts trotz oder richtiger durch 
seine massenhafte Produktion einen höchst traurigen Anblick dar, 
noch betrübender durch den Umstand, dass gerade von der Apenninen- 
halbinsel der Aufschwung ztusgegatngen war, welcher auswärts noch 
in mehr oder weniger Blüthe stand, während der Stamm bereits 
deutlich die Symptome des Absterbens zeigte. 
Weit bedeutender als Italien tritt uns zu gleicher ZeiteSpanien 
in seiner Kunstptlege entgegen. Dorthin hatte der NatUPäliSHIHS 
Unteritaliens vollkräftige Schösslinge getrieben, und in dem künst- 
lerisch fast jungfriiulichen, aber für jene Richtung höchst empfäng- 
liehen Boden feste Wurzeln geschlagen; ClOCh Verbimd Sich dort der 
Sinn für naturalistische Wahrheit mit einem feinen und tiefen Er- 
fassen des Werthes der Farbe, woran es den Caravaggisten, Welche 
mehr durch ihre derben Licht- und Schattencontraste zu wirken
        

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