Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527307
die Berechtigung zu der einseitigen und abgeschlossenen Rückkehr 
zu den Kunstanschauungen einer überwundenen Periode zu, so ist 
nichts Weiter daran zu tadeln, wenn diese Rückkehr nicht blos 
äusserlich und formal, sondern aus ganzer Seele erfolgte, auf dass 
der Künstler nicht anders denke, hoffe und glaube, als er malt. 
Denn die allegorische Bedeutung und Wahrheit, welche der antiken 
Mythologie bis auf den heutigen Tag innewohnt und sie daher für 
immer zu einem hervorragenden Gegenstande von Kunstdarstellungen 
machen wird, ist den christlichen Culten keineswegs eigen und so 
würden die religiösen Darstellungen aus dem Gebiete der katholischen 
Anschauungen leicht zu Widerspruch und Lüge werden können, 
Freilich War damit den Klosterbrüdern die Fähigkeit zu univer- 
sellerer Entfaltung abgeschnitten, ihre Thätigkeit tendentiös gewor- 
den, der Bruch mit dem modernen Geiste unheilbar und der 
Zusammenhang mit der profanen Kunstentwicklung unseres Jahr- 
hunderts zerrissen. 
Die Genossenschaft der Romantiker in Rom hatte aber mittler- 
weile schon einen schmerzlichen Verlust erlitten, Welcher namentlich 
Overbeck sehr nahe gehen musste. Franz Pfow, als der Sohn des 
sog. deutschen Wouwermans J. G. Pforr 1788 zu Frankfurt geb., 
schon" vor Overbeck seit 1805 Zögling der Wiener Akademie und 
dann unzertrennlich mit diesem verbunden, war 1812 in Albano 
gestorben. In seltener Weise ein feinfühlendes reiches Gemüth mit 
Klarheit der Anschauungen verbindend, dabei seine künstlerischen 
Ziele möglichst hoch setzend, hatte er die Entwicklung Overbeck's 
moralisch wesentlich gehoben und den schüchternen Genossen zur 
Entfaltung und Erprobung seiner Talente ermuthigt. Sich selbst 
nicht leicht genügend und Alles vielmehr als Vorbereitung und 
weitere Ausbildung seines künstlerischen Vermögens betrachtend, 
beschränkte er sich fast ganz auf Skizzen und Compositionen, von 
welchen später einige durch den Frankfurter Kunstverein publicirt 
worden sindf). Ein Oelgemälde, Rudolph von Habsburg, der sein 
Boss dem Priester schenkt"), darstellend, blieb unvollendet. Nicht 
S0 eng in seinem stofflichen Horizont, wie sein berühmter Freund, 
L 
i) Compositionen und Handzeichnungen aus dem Nachlasse 
Frkft. 1832. 1834. 1835. 12 Blätter. 
w") StädePsches Museum in Frankfurt. Nr. 365. 
von Franz Pforr.
        

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