Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527250
Wie jedes edlere Gefühl, jeder bessere Gedanke unterdrückt und 
zurückgescheucht wurde, und wie ich nahe daran war, für Kunst 
und Menschheit verloren zu gehen, wenn nicht zur rechten Zeit sich 
noch ein Freund, ein edler Mensch (F. Pforr) gefunden hätte, der 
den letzten ersterbenden Funken wieder anfachte und nach und nach 
mich wieder zu mir selbst zurückführteß 
Auch E. Wächter war damals nach Wien gekommen, den Um- 
schwung; in Rom mit mehr XVärme des Wortes als Gewandtheit mit 
(19111 Pinsel Vefküllflßlld, ebenso oppositionell gegen die akademische 
Verkommenheit wie die beiden Jünglinge, wenn auch das Heil der 
Kunst und deren WViedererweckung auf anderem Wege suchend. 
Das Urtheil des gereiften Mannes bestärkte die Jugend in den gewon- 
nenen Anschauungen wie auch deren Muth zu ihrem offenen Be- 
kenntniss. Dass gerade die talentvollsten Eleven gegen die herr- 
schende Methode rebellirten, machte den Widerstand nur um so 
gefährlicher und es war natürlich und zur Erhaltung des ganzen 
Systems sogar erforderlich, dass die Akademie nach vorausgeschickter 
Verwarnung die Widerspenstigen, und zwar ausser Overbeck und 
Pforr noch L. Vogel aus Zürich, J. Wintergerst aus Ellwangen 
und J. Satter aus Linz, relegirte. 
Das durch die Ueberzeugung der Betroffenen erlangte Schul- 
martyrium aber hatte den Erfolg aller Martyrien. Nicht blos die 
beiden genannten Freunde schlossen sich jetzt noch enger zusammen, 
sondern es bildete sich bald unter Hinzutritt von Hottrlnger und Sckefer 
von Leonkartslzoü" ein bedenklicher Kreis von Gesinnungsgenossen 
als geschlossene Partei, welche jedoch der Akademie desshalb nicht 
länger unbequem war, weil ein Theil derselben mit ihrem Haupte 
ohne längeren Aufschub sich 1810 nach Italien und zwar direkt nach 
Rom wandte, WO ihre Tendenz sich minder angefochten, wenn auch 
nicht kampflos weiter entfalten konnte. Ausser Franz Pforr begleiteten 
den Vorkämpfer Hottinger und Vogel; andere folgten später nach. 
Overbeck hatte wie es scheint mehr zufällig als tendentiös seine 
Wohnung in einer Zelle des seit Vertreibung der irischen Barfüsser 
durch Napoleon verödeten Klosters S. Isidoro auf dem Pincio aufge- 
schlagen, und die Freunde schlossen sich ihm, allmälig die verlassenen 
Räume bevölkernd, dort an, um ihre gemeinschaftlichen Ziele auch 
gemeinschaftlich zu fördern. Das Rcfectorium wurde zum Aktsaal, 
wo sich die Genossen wechselseitig Modell standen; in der Küche
        

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