Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527180
Ballaste, von welchem diese vorher fast erdrückt worden waren, 
befreit wurden. 
Es mussten sich aber schon dadurch der Verschiedenheit der 
Ziele A. W. Schlegells und Wackenroder-Tiecßs entsprechend zwei 
verschiedene romantische Kunstrichtungen anbahnen, von welchen 
die erstere, hinsichtlich der Formgebung ungebunden, die Freiheit 
liess, sich an die vollendete Kunst anzusehmiegen, während die letztere 
in Auffassung und formaler Behandlung auf die Zeit vor der höchsten 
Kunstblüthe verwies. Dem Stoffe nach vorwiegend profan und dem 
Gebiete der germanischen und romantischen Sage und Geschichte 
angehörig, war natürlich die erstere ungleich entwicklungsfähiger als 
die zweite, formal gebundenere, die sich vorwiegend in dem christ- 
lichen Ideen- und Bilderkreise und in der älteren und naiveren Auf- 
fassung der Meister vor dem Cinquecento bewegte. Denn während 
in jener die Rückkehr zum Mittelalter mehr inhaltlich und sonach 
mehr geistig war, erscheint sie hier viel unmittelbarer und äusser- 
licher, indem die erhaltenen Werke ihren Bann auch in Technik 
und Formgebung ausübten und nicht selten schlechterdings zu imita- 
torischer Haltung drängten. Daran aber hatte die Kunst vor jenen 
literarischen Erscheinungen um so weniger gedacht, als jene Werke 
vorher kaum beachtet, geschweige denn geschätzt und studirt worden 
waren. Erst mit Anfang dieses Jahrhunderts hatte man den alten 
Werken eine schützende, ergänzende und sammelnde Aufmerksamkeit 
gewidmet, welche sich in dem Grade steigerte, als man in grösseren 
Zusammenstellungen , wie namentlich in der von den Gebrüdern 
Boisseree veranstalteten Sammlung, erst den wahren Werth zu 
schätzen und diesen durch entsprechende Instandsetzung und Restau- 
rirung allgemein augenfallig zu machen versucht hatte. Eine wirk- 
samere Illustration zu den Schriften des Klosterbruders aber hätte 
es nicht geben können, als die Ausstellung jener Sammlung, die nun 
auch wahrhaft zündend wirkte. Kein Wunder, dass bald Ueber- 
schätzung an die Stelle der bisherigen Geringschätzung trat, dass 
man nun allgemein nach den noch zu rettenden Ueberresten des 
Mittelalters strebte, um mit diesen Merkwürdigkeiten wenigstens den 
Anforderungen der Decoration und des Luxus zu genügen oder sie 
zum Zielpunkt des wieder inniger gewordenen Cultus zu machen, 
und dass namentlich nicht blos der Maler, sondern auch der Archi- 
tekt und Bildhauer sich beeilten, die gefeierte Eigenart ahzulernen
        

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