Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527171
gelesen habe, wenn gleich seine etwas freie Bearbeitung der Minne- 
liedert), dieselbe, Welche J. Grimm auf sein so epochemachend ver- 
tretenes Gebiet führte, W. Schlegel, der sie treuer und strenger 
wiedergegeben wünschte, nicht entsprach. Dieser selbst hatte dem 
Nibelungenliede ein viel gründlicheres Studium gewidmet und seine 
Kenntniss der gesammten älteren Literatur Deutschlands bereits so- 
weit ausgedehnt, dass er die seither üblich gebliebene Eintheilung 
in vier Epochen, in die mönchische, ritterliche, bürgerliche und gelehrte 
definiren konnte. Alles bestärkte ihn, wiederholt auszusprechen, wie 
vortheilhaft jene Schöpfungen von den1 Unpoetischen der Gegenwart 
sich unterschieden, und wie ungerecht es sei, das Ritterthum als 
eine Fratze, die Scholastik als eine Barbarei, die Kreuzzüge und 
Religionskriege als eine Widersinnigkeit zu verurtheilen. Mit zün- 
dender Wärme vertritt er dann die ritterliche Welt, die Ritterehre, 
die Frömmigkeit als Gefährtin der Tapferkeit, die ritterliche Liebe, 
den Madonnencult u. s. w., und der Kreis seiner Zuhörer wuchs mit 
der Wiedergabe der Dichterproben in annähernd moderner Sprache. 
Eine solche Vorlesung gab die Veranlassung zu F. H. v. d. Hagen's 
Herausgabe des Nibelungenliedes; noch wichtiger war aber der Ein- 
druck, den jene Vorträge in allen gebildeten Kreisen hervorriefen. 
Es war damit namentlich der darstellenden Kunst eine neue 
unendlich reiche Stoffwelt eröffnet, welche sich daher nothwendig 
von der banal gewordenen classischen Mythologie und Allegorie 
abwandte. Die altdeutschen und romantischen Gedichte und Sagen 
erfüllten mit frischem Interesse und es ist nicht zu leugnen, dass in 
der Reproduction und Verdolmetschung des alten Schatzes ein viel 
wichtigerer Hebel für die Umgestaltung der bildenden Ktmst lag, 
als in den Neuproductionen des romantischen Kreises, wie z. B. in 
dem damals grosses Aufsehen erregenden xOctaviana Tieck's. Unter 
den Neuschöpfungen spielen kunstgeschichtliche Novellen und Be- 
trachtungen wie die Schriften Wackenrodefs oder Tieck's Sternbald 
die hervorragendste Rolle, indem sie namentlich das Interesse an der 
Auffassung, Behandlung und Formgebung der älteren Zeit erweckten, 
während sie hinsichtlich der Stotfwahl besonders zu christlichen 
Gegenständen drängten, welche nun von dem classisch mythologischen 
Tieck, 
dem 
8.115 
Die Minnelieder 
schwäbischen 
Zeitalter. 
1803.
        

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