Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527168
veranlasst saht), wozu noch ein Anfang der Uebersetzung des Cal- 
deron kamiii"). Den Anlauf zu dieser Uebersetzungsthätigkeit hatte 
er schon lange vorher in seiner Göttinger Zeit mit Shakespeare und 
Dante gemacht, wo er sein aUebersetzungstalenta nicht blos gefühlt, 
sondern als sein hervorragendstes sogar beklagt- hatte. In den Vor- 
lesungen selbst bekämpft er systematisch den Geist des modernen 
Zeitalters seit der Reformation und stellt den vorausgegangenen der 
romantischen Epoche mit Geschick, wenn auch nicht ohne stellen- 
weise Uebertreibung in ein helles Licht. In der That giebt es erst 
seit dem die nachclassische Poesie behandelnden Vorlesungscursus im 
Winter 18Q3 und 1804 eine Geschichte der romantischen Poesie, 
wie auch er den Namen dafür geschaffen. wDenn romanisch, romance, 
nannte man die neuen, aus der Vermischung des Lateinischen mit 
der Sprache der deutschen Eroberer entstandenen Dialekte; daher 
Romane die darin geschriebenen Dichtungen, woher dann romantisch 
abgeleitet ist: und ist der Charakter dieser Poesie Verschmelzung 
des Altdeutschen mit dem späteren, d. h. christlich gewordenen 
Römischen, so werden auch ihre Elemente schon durch den Namen 
angedeutete Dadurch war der deutschen Literatur eine zum Theil 
besondere Stellung geschaffen und dieser wandte sich Schlegel nun 
eingehend zu. 
Hatte man doch selbst wenige Jahre vorher die romantische 
Literatur und besonders die altdeutsche kaum oder doch nur spora- 
disch und so abgeschlossen gelehrtenhaft gekannt, dass die Kunde 
davon über einen ganz kleinen Kreis nicht hinausgekommen war. 
Aus blossen Andeutungen in einem literaturgeschichtlichen Collegium 
hatte Wackenroder 1792 die Anregung gewonnen, sich einmal 
Einzelnes näher anzusehen, war aber sogar von einem Tieck vor 
allem weitern Eingehen gewarnt worden, damit er sich mit der 
altdeutschen Poesie nicht wden Geschmack verderbee. Doch Wacken- 
roder's Einfluss hatte Tieck dazu geführt, selbst das Nibelungenlied 
und die Minnesänger der Manesseschen Sammlung zu lesen, und 
schon 1803 konnte er an W. Schlegel schreiben, dass er zweifle, ob 
Einer jetzt so viele altdeutsche Dichter mit gleicher Aufmerksamkeit 
 
i) A. W. Schlegel, Blumensträusse italienischer, 
sischer Poesie. Berl. 1804. 
a") Spanisches Theater. I. Band. 1803. 
spanischer 
und portugie-
        

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