Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527147
Religiosität. An der Hand des Erlösers hoffte er dereinst seine 
Geliebte wieder zu sehen, und unwillkürlich verschwimmt ihm ihr 
Bild mit dem der Himmelskönigin. 
Doch nicht nur vereinzelt und versplittert, nicht nur als indivi- 
duelle Aeusserungen entstanden diese Werke, sondern sie erschienen 
um die WVende des Jahrhunderts bereits als die Producte einer 
geschlossenen Richtung und Schule. Es waren namentlich die Ge- 
brüder August Wilhelm und Friedrich Schlegel aus Hannover, welche 
mit Tieck den Grund zu einer Genossenschaft von Richtungsver- 
wandten legten, welche dem Classicismus und der Aufklärung ent- 
gegenarbeiten sollte. Sie hatten zunächst als Kritiker, anfänglich 
unter Schiller's Aegide gewirkt, waren aber dann in Folge unver- 
schämter Kritikausfälle namentlich Friedrichs auf Schiller mit diesem 
zerfallen. 1797 und 1798 hatten sich die Schlegel mit Tieck, Bern- 
hardi und dem jungen Schleiermacher zusammengefunden und als 
Organ ihrer Richtung ein Journal gegründet, das Athenäum, für 
welches auch Hardenberg und der Fichtianer A. L. Hülsen Beiträge 
lieferten. Von grösseren Arbeiten aber förderte weder Tiecläs Geno- 
vefa noch F. Schlegels Schandroman Lucinde die gemeinsame Sache. 
Mehr geschah diess durch die Philosophen, welche nun in den Kreis 
der Romantiker eintraten, vorab Schelling, dann J. W. Ritter und 
H. Steffens. Es war besonders Schelling, welcher der Kunst eine 
Stellung zuwies, wie sie die neue Schule verlangte: xdie ästhetische 
Anschauung ist die objectiv gewordene intellektuelle, die Kunst eine 
allgemein anerkannte und auf keine Weise hinwegzuleugnende Ob- 
jectivität der intellectuellen Anschauung. Was der Philosoph schon 
im ersten Akt des Bewusstseins sich trennen lässt, das wird durch 
das Wunder der Kunst aus ihren Produkten zurückgestrahlt . .  
Die Kunst ist das einzig wahre und ewige Organen und Document 
der Philosophie . . . Sie ist dem Philosophen das Höchste, weil sie 
ihm das Allerheiligste gleichsam öffnet, wo in ewiger und ursprüng- 
licher Vereinigung in Einer Flamme brennt, was in der Natur und 
Geschichte gesondert ist und was im Leben und Handeln ebenso wie 
im Denken, ewig sich fliehen 1'l1llSS.(( Ueberhaupt war es Schelling, 
welcher den Geist der Romantik zur Weltformel gestaltete. Doch 
weder er noch der ewig unfertige, mit sich selbst uneinige Friedrich 
Schlegel waren die Männer, welche über Theorien hinauskommen 
und praktische Conscquenzen zu ziehen vermochten. Dazu war der
        

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