Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527134
Wackenroder gestellt werden muss. Er hatte sich kaum das Jawort 
der jugendlichen schwärmerisch angebeteten Braut errungen, als er 
sie, bald nach ihrem 15. Geburtstage, hinwelken sehen musste. 
Jahre lange Seelenkämpfe drängten den Trostlosen wiederholt an die 
Pforte freiwilligen Todes, bis er endlich in der Poesie die langsame 
Heilung fand- Seine aHymne an die Nachta, jene unvergleichliche 
Lyrik der Verzückung, der Schwermuth und des tiefsten Schmerzes; 
sein Fragment der Lehrlinge von Sais mit dem entzückenden Märchen 
von Hyazinth, seine tichtianisch philosophischen Fragmente bezeugen 
die allmählige Genesung, bis endlich aus dem Verkehr mit Tieck sein 
bedeutendstes Werk wHeinrich von Ofterdingenx entstand t). Er 
wollte damit Goethe's Wilhelm Meister, den er wgewissermassen durch- 
aus prosaisch und moderne fand, der ihm xOdlÖSa war, ein Werk 
an die Seite setzen, in welchem die Poesie durch die Poesie nicht 
vernichtet, sondern verherrlicht und verklärt werden sollte. Wie die 
Welt am Ende Gemüth, so wird ihm Alles am Ende Poesie. sEine 
absolut poetisirte, d. h. eine in ihrer Verwirrung Wunderbar durch- 
sichtige, den Gesetzen des Verstandes, der Schwere der sinnlichen 
Wirklichkeit entrückte Welt stellt sich in ihrem-eigenen Element, im 
Element der träumerisch-märchenhaften, mit Stimmungen spielenden 
Phantasie dara  Trotzdem fehlt es dem Ganzen nicht an Wahr- 
heit: denn Ofterdingen's Liebe ist seine. der Entwicklungsgang des 
Gemüthslebens seines Helden sein eigener. Der Vorgang ist ins Mittel- 
alter zurückgelegt, für welches auch er schwärmt. xZWiSChGII den 
rohen Zeiten der Barbarei und dem kunstreichen, vielwissenden und 
begüterten Weltalter hat sich eine tiefsinnige Zeit niedergelassen, die 
unter schlichtem Kleide eine höhere Gestalt verbirgt. Wer Wandelt 
nicht gerne im Zwielichte, wenn die Nacht am Lichte und das Licht 
an der Nacht in höhere Schatten und Farben zerbrichtla Unvoll- 
endet wie das Gedicht durch den frühen Tod Hardenbergs (1801) 
blieb, und unvollendbar wie es durch die sich steigernde Märchen- 
haftigkeit geworden, wird es immer zu den Hauptwerken der Romantik 
ggzählt werden müssen. Auch in ihm wohnte ein starker Zug zur 
i 
h erausgegeben 
3) Novalis Schriften, her 
Berl. 1802. 
3x) Haym a. a. O. S. 383. 
Schlegel 
von F. 
und 
Tieck.
        

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