Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527126
Riesenstreben nach dem Himmel, seine kolossale Dauer und Unbe- 
greiflichkeit: den Geist Erwin's selbst seh" ich in einer furchtbar 
sinnlichen Anschauung vor mir stehen. Es ist zum Entsetzen, wie 
der Mensch nicht rastet und ruht, bis er diesen ungeheuren Spring- 
brunnen von lauter Felsenmassen hingestellt hat, der sich ewig, 
ewig ergiesst, und wie mit der Stimme des Donners Anbetung vor 
Erwin, vor uns selbst in unsere sterblichen Gebeine hineinpredigt   
Wer da noch demonstriren und Erwin und das barbarische Zeit- 
alter bedauern kann,  o wahrhaftig, der begeht, ein armer Sünder, 
die Verleugnung Petri an der Herrlichkeit des göttlichen Ebenbildesß 
Freilich der Tieck'sche Kunstenthusiasmus ist nicht so natürlich wie 
der Wackenrodefs, sondern angenommen und gemacht, die Ver- 
zückung ist übertrieben und unwahr, es ist nicht mehr der echte 
Klosterbruder, sondern wie Haym bezeichnend sagt, der plattirte. 
Doch auch das verzerrte Echo lässt den Klang wieder erkennen, der 
es hervorgerufen und zwar hier nicht blos wiederholend, sondern 
selbst weiter entwickelnd. 
Auch Schwaben, ohne welches der deutsche Dichterliimniel seine 
schönsten Sterne nicht hätte, entsandte schon damals seinen Roman- 
tiker, Hölderlin aus Laufen am Neckar. Nachdem schon im Jahr- 
gang 1793 von Schilleris Neuer Thalia das Fragment von Hyperion 
erschienen, folgte später in zwei Bänden der gleichnamige vollendete 
Roman Hölderlins  ein lyrisches Gedicht in Briefforin. Es war 
dem Dichter darum zu thun, seine Begeisterung, sein Leiden, Sehnen, 
Hoffen und Lieben seinem Helden in den Mund zu legen, und dieser 
Held erscheint als ein Sohn des modernen Griechenlands, der seinen 
Idealen nachjagt und nachdem er sie allertvärts an der herrschenden 
Entartung scheitern gesehen, enttäuscht sich in die Einsamkeit zu- 
rückzieht. Hölderlins Naturell klammert sich an Posa in Don Carlos; 
hin- und hergezogen dann zwischen Schillers früheren Arbeiten und 
Fichte verliert sein reizbares Gemüth den Halt, er sinkt, unzufrieden 
mit allem um sich, mit seinen Verhältnissen und mit sich selbst, 
in tiefe Melancholie und zuletzt in Wahnsinn. Einen günstigeren 
Einfluss als auf ihn hatte das Scheitern der schönsten Hoffnungen 
auf F. L. V. Hardenberg (Novalis) aus Ober-Wiederstedt im Mans- 
feldischen geübt, welcher weniger leidenschaftlich angelegt neben 
L 
der Eremit 
Hyperion oder 
in 
Griechenland. 
Tübingen 1797. 
1799.
        

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