Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527075
hinaus war. Mehr noch als das gesellschaftliche Leben und die 
Wissenschaft drängte die Kunst nach Rücksichtsnahme auf das lange 
vernachlässigte gleichsam vom Geist und dem Sinn für praktische 
Nützlichkeit erdrückte Gemüth. Vorab die Poesie. Herder und dann 
Goethe und Schiller in ihren jüngeren Jahren in den Zeiten des Götz 
und Werther und der Räuber hatten jenem Drange Ausdruck gegeben. 
Goethe freilich sollte das, was er so mächtig angeregt, nicht weiter 
entwickeln, indem er sein Ideal nachmals in der Antike suchte und 
fand; und auch Schiller änderte später seine Richtung nach gleicher 
Seite hin; aber durch sie wie durch den Philosophen Fichte war 
der Impuls gegeben, dessen wachsende Wirkung sie selbst nicht mehr 
zu hemmen vermochten. 
Es war eine Revolution der einschneidendsten Art und wenn 
auch nicht so politisch verspürbar wie die französische, so doch auf 
dem Gebiete des Geistes, der Literatur und Kunst eine der merk- 
Würdigsten Umwälzungen, welche die Geschichte aufzuweisen hatt"). 
Derjenige, welcher sie in der Poesie zuerst zum vollen Ausdruck 
bringen sollte, War J. L. Tieck. Zu Berlin 1773 geboren, hatte er, 
wie er selbst sagt, an Götz von Berlichingen gewissermassen das Lesen 
gelernt, dann sich mit Leidenschaft an das Theater geklammert, 
welches seine Seele erfüllte, und konnte, noch ehe er das Werdefsche 
Gymnasium verliess, in Liebhabertheatern als vortrefflicher Schau- 
spicler, in Gesellschaften als Kenner aller damals gelesenen novellisti- 
schen und dramatischen Schriften, unter Freunden auch als improvi- 
sirender Dichter gelten. Von seiner Thätigkeit in letzterer Eigenschaft 
kam freilich nur Weniges und zwar erst später in die Presse, und 
auch seine folgende literarische Thätigkeit im Dienste Rambaclfs 
verdiente kaum die Vervielfältigung. Die Wirkung War aber für ihn 
die, dass sich eine krankhafte Stinunung und tiefe Schatten über sein 
Gemüth lagerten, deren er sein ganzes Leben lang nicht mehr gänzlich 
ledig werden konnte. In dieser Stimmung war Almansur (1790), 
Abdallah (1792) entstanden und sie klingt auch noch in Karl von 
Berneck (1795) und namentlich in der Geschichte des W. Lovell 
(1793-1796) nach, in welcher letzteren sich der Held eines fran- 
zösischen Romans mit ein wenig Werther und mit Tieck's eigenen 
i) R. Haym, die romantische Schule. 
sehen Geistes. Berlin 1870. 
Ein 
Beitrag 
deut- 
des 
Geschichte
        

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