Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-527054
Erstes 
Oapitel. 
Veränderte 
Anschauungen. 
so gross der dem Classicismus zu Grunde liegende Irrthum 
sein mochte, das antike Leben in Anschauungen, Staatsformen, in 
Literatur und Kunst wieder-erwecken zu können, so hätte doch kein 
WVeg sicherer zu dem Ziele führen können, der Verkommcnheit der 
vorausgängigen Tradition zu entfliehen, und zu neuen, frischen und 
gesünderen Zuständen sich aufzuraffen, als diese Rückkehr zur Antike. 
Besonders wenn man darunter nicht blos äusserliche, declamatorische, 
unempfundene Nachahmung verstehen, sondern vielmehr aus ihr 
lernen wollte, Wieder naiv und einfach, aber gross und tief zu denken, 
wenn die Rückkehr zur Antike in gewissemSinne gleichbedeutend 
war mit der Rückkehr zur Natur, indem man, wie es schon-Diderot 
empfiehlt, aus ihr lernte, die Natur zu sehen. Gerade darum aber 
konnte sie tnicht mehr sein als eine Schule, welche, wenn Sie die 
Verzogenheit der vorausgegangenen Zeit abgewöhnt hatte und durch- 
laufen war, schliesslich zu grösserer Selbständigkeit führen und 
befähigen musste, nemlich zu mehr Unmittelbarkeit und zeitgemässer 
Wahrheit. Denn die grossen Denker um die Schwelle unseres Jahr- 
hunderts konnten sich der Erkenntniss nicht verschliessen, dass Geist 
und Auge, durch jene Schule geschärft und geklärt, die modernen 
Dinge und Verhältnisse nicht für die Dauer durch die Brille des 
Auerthunls sehen konnte, ohne durch die zweifellose Fremdartigkeit 
des Mediums die Eigenart zu verkümmern, welche die veränderte 
Reber, Kunstgeschichte. 13
        

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