Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526963
möchte man glauben, dass Frankreich das Land gewesen sei, wo 
die classicistiscl1e Bildnerei ihren Höhenpunkt erreichen musste. 
Denn auch die Schwesterkunst, die Malerei, war nirgends in so ent- 
schiedenen und erfolgreichen plastischen Bahnen gewandelt und das 
formale Talent der Franzosen ganz besonders darauf angelegt, die 
äusserliche Erscheinung, wie sie der classicistischen Periode besonders 
am Herzen lag, in höchstmöglicher Vollendung auszuprägen. Dennoch 
erreichte keiner der französischen Meisselkünstler die Höhe eines 
Canova, Thorwaldsen oder selbst Flaxman, indem keiner über jene 
trockene Correctheit, wie sie auch der Davidischen Malerschule an- 
haftete, oder über mehr theatralisches als unmittelbares Pathos sich 
aufzuschwingen vermochte. Sie verhält sich eben nach Lübkeg 
bezeichnendem Worte zu der deutschen Bildnerei, wie etwa Racine's 
Phädra zu Göthe's Iphigenia. Dagegen tritt sie entschieden früher 
auf als in Deutschland, und selbst schon vor Ganova lässt sich dort 
der Beginn des Umschwunges fühlen. Ich erinnere nur an den 
Paris des N. F. Gdllet (1709-1791) im Louvre, welches Receptions- 
stück gerade aus dem Geburtsjahre Canovzfs stammt. Beträchtlich 
gereifter tritt dann die Glassicität in P. Julien (1731-1804) ent- 
gegen, dessen asterbender Kriegera (1779) und namentlich Ganymed 
den Adler tränkend 4') das Studium nach der Antike wie nach der 
Natur in der erfreulichsten Weise verrathen, wenn auch die abge- 
streifte Manierirtheit des Zopfthums noch gleichsam am Boden liegt, 
wie in den Wolken, auf Welchen der schöne Ganymed steht. Als 
entschiedener Classicist und als das für die Plastik was David für 
die Malerei, steht erst A. D. Ckaudet da, geb. zu Paris 1763, i" 1810. 
Nachdem er sich dessen, was er in seiner zopiigen Schule noch aus 
Coustou's Tradition gelernt, in Rom entledigt, war er im Jahre des 
Ausbruchs der Revolution nach Paris zurückgekehrt, wo er zunächst 
(1793) in dem Peristyl-Relief des Pantheons, einen in den Armen 
des Ruhmesgenius sterbenden Krieger darstellend, eine Probe des 
vollzogenen Umschwunges ablegte. Für eine ausgedehntere Beschäf- 
tigung des Künstlers waren die Zeitläufte zunächst nicht günstig, 
und so fällt seine Hauptthätigkeit erst in die Epoche Napoleons 
Von seinen sonstigen Idealwerken ist ader Hirt PhQrbaS den Knaben 
Oedipus liegende (1801, die Marmoratisführung später) von tadel- 
Louvre. 
im 
Werke 
Beide
        

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