Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526900
mittelbarer Gefahr, Tyrannei und Furcht zugleich ihr Ende nahmen. 
David fand im Gefängniss Zeit sich für die Rückkehr zu seinem 
Berufe vorzubereiten und zu sammeln. Der Gedanke an eine Ver- 
söhnung der Gegensätze und sich bekämpfenden Parteien wie der 
gewaltige Einfluss, welchen damals geistreiche Frauen nicht mehr 
aufreizend, sondern besänftigend auf die hervorragenderen Persön- 
lichkeiten ausübten, mögen gleichen Antheil an der Wahl jenes 
Werkes gehabt haben, das ihn nun beinahe fünf Jahre (bis 1800) 
beschäftigte und unter dem Namen wdie Sabinerinnenqt), als das 
berühmteste Werk des Meisters gilt. Es kann jedeelq dem unbe- 
fangenen Auge nicht entgehen, dass er in den Hauptfiguren zwar 
das Ziel erreicht hat, einen Kanon der Form hinzustellen, Wie ihn 
die damalige Kunst reiner nicht aufzuweisen hat, dass sieh aber 
diese über Paradefiguren nicht erheben, welche ebensowenig Interesse 
und seelische "llheilnahme von Seite des Künstlers verrathen als in 
dem Beschauer erwecken. Wie damals die politische Gesinnung von 
dem römischen Republikanismus abgelenkt hatte, und nur mehr die 
römische Form übrig geblieben war, welche sich decorativ auf Ge- 
räthe und Costüm warf, so war auch aus der Kunst David's der 
gegenständliche Gehalt, die Bedeutung und Seele gewichen und nur 
mehr die classische Hülle, die Form übrig geblieben. Und selbst 
die Fornlfreude wird geschmälert durch die übertriebene Attitüde, 
die gesuchte und keineswegs zwanglose Geberde, das Durchscheinen 
der gestellten Akte, welche nicht einmal den recitirenden Charakter 
der Horatier, sondern vielmehr den eines sog. lebenden Bildes haben, 
und die harten Linien der Gesammtcomposition, in welcher die 
mächtigen iGeraden der stramm gestellten Beine und gespreizten 
Arme sich unharmonisch treffen und durchschneiden. Wenn denn 
auch David hinsichtlich der Körperbildung einen höheren Anlauf 
genommen und nicht selten gute Antiken mit Modellstudium glücklich 
zu verbinden wusste, so ist er in Bezug auf Composition und G6- 
sammtwirkung selten über die Reliefbildungen der Antoninenzeit 
(Basis der Säule des Antoninus Pius und Reliefs vQm Marc Aurel- 
bogen) hinausgekommen. 
Dass man sich aber der hellenischen Classicität auch nach 1800 
nicht weiter nähern konnte, war durch den auf den rölnisch repu- 
Gest. 
Massard, 
Phot. 
Dornach. 
Braun in
        

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