Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526899
Weder Lust noch Musse hatte, wenn sie nicht mit den Tageserejg- 
nissen selbst enge zusammenhing. Dann wurde das Arrangement 
zu Festdecorationen und Aufzügen ihm übertragen, bei welchen die 
antike Auffassung nicht blos nach der Neigung des Künstlers, son- 
dern nicht minder nach jener der politischen Leiter und des Publi- 
kums war. Denn da die römische Bürgertugend der Brutuszeit als 
das allgemeine Ideal galt, konnte es nicht fehlen, dass das Römer- 
thum allerwiirts, im öffentlichen Leben, auf der Bühne und in der 
Privatgesellschatt auch äusserlich zur Nachahmung kam. Kalte 
Allegorien machten sich daher überall breit, in dem theatralischen 
Fest der Vernunft wie bei der Wiedereinsetzung; des höchsten Wesens, 
bei welchen aus der Asche der verbrannten Puppen der Zwietracht, 
des Atheismus und der Selbstsucht die Weisheit hervorstieg, noch 
mehr selbstverständlich in einigen glücklicherweise nicht zur Ausfüh- 
rung gelangten Denkmälerprojekten, unter Welchen David eine Colossal- 
gestalt componirte und empfahl, die auf einem Berge von zertrüm- 
merten Königstatuen sich erheben und an verschiedenen Körper- 
stellen die eingegrabenen Worte: xLicht, Natur, Wahrheit, Kraft und 
Huthe zeigen sollte. 
Nur das, was man in jakobinischen Kreisen Martyrium der 
Freiheit und der Revolution nennen mochte, riss ihn momentan aus 
seiner sonstigen künstlerischen Apathie, und da. waren es  Leichen- 
bilder, die er schuf. Der wegen seiner Stimmabgabe für den Tod 
des Königs von einem fanatischen Royalisten gemeuchelte Lepelletier 
de Saint Fargeau und das durch Charlotte Corday in den weitesten 
Kreisen bekannte Scheusal Marat schienen ihm passende Objekte 
darzubieten, um in der Weise des Antonius bei der cäsarischen 
Leichenrede dem Publikum zu demonstriren: sund so lohnte ihm 
das Volk seine Wohlthatena. Konnte er sich in dem ersteren Bilde 
der allegorischen Zuthaten nicht entbrechen, so trat er in dem letztern 
insoferne aus sich heraus, als er einmal ohne Reflexion und Ueber- 
tragung in römische Antike der Realität ganz nahe rückte. Es war 
auch kaum möglich, dass der ideale Flitter Stand hielt, während der 
Blutsumpf um die Guillotine immer grössere Dimensionen annahm 
und der Kampf un1 Principien in zunehmender Verwilderung in ein 
Hasardspiel um Köpfe ausartete.  
Die Besinnung kehrte erst wieder als mit dem Sturz der 
Schreckensherrschaft, in welchem auch des Künstlers Leben in un- 
Reber, Kunstgeschichte. 12
        

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