Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526869
Nach fünfjähriger Studienzeit 1'780 nach Paris zurückgekehrt, 
wandte er sich jenen classisch akademischen Stoffen zu, welche 
nicht ohne Bühnenbeigeschmack und Rührungs-Effekt Gelegenheit 
geben sollten, irgend ein Pathos wiederzugeben und dadurch mitleidige 
Theilnahme zu erwecken. Es ist aus derartigen Gegenständen nicht 
zu verkennen, wie ein Laokoon in der damaligen Vorstellung als die 
höchste Kunstleistung des Alterthums galt, und für das Weibliche 
Geschlecht der Niobidencyklus eine ähnliche Rolle spielte. Die 
nächsten Werke: wBelisar an der Porta Pincia um Almosen flehende 4') 
und vAndromache den Leichnam Hektors bGYVGlIIBIIdK, wovon das 
erstere vergleichsweise schon bei Behandlung von Wächters Kunst 
charakterisirt wurde, bieten hiefür die Belege, die Stoffe sind ledig-lieh 
Vorwand zum Zweck der Verkörperung der beabsichtigten pathetischen 
Effekte, von wahrer Empfindung und wirklichem Interesse an dem 
Gegenstande ist keine Rede und es war wohl nur -der correkteren 
Zeichnung und Formgebung willen, dass diese Arbeiten Beifall fanden 
und dem Künstler nicht blos die Ehre des Titels xMaler des Königsa, 
sondern auch die königliche Bestellung auf das Bild wder Schwur 
der Horatiere eintrugen. 
Mit diesem Werke aber beginnt der entschiedene Neuaufschwting 
der französischen Kunst. Der Künstler hatte den Kampf mit der 
Modekunst wie mit der akademischen hinter sich und in formaler 
Hinsicht fertig nun einen Gegenstand erwählt, der ihm nicht blos 
Vorwand zu einer bestimmten mehr oder weniger virtuosen Dar- 
legung seines Könnens, sondern um seiner selbst willen von Bedeu- 
tung war. Dazu kam, dass er sofort im Interesse der Nation Funken 
schlug, Welche selbst bis in die Schulen herab damals in der Be- 
wunderung des freien Röxnerthumes schwelgte. Es war mit dem 
Bilde ein neuer Ton angeschlagen, welcher dem Künstler vom Herzen 
kam und zum Herzen seiner Landsleute ging, nemlich der des Patrio- 
tismus. Was man zumeist bewunderte, war nicht mehr die Form- 
gebung, die (überdiess in dem gleichmässigen Aufschritt der Söhne 
und in anderem sehr missrathene) Anordnung, die geschickte Technik, 
der Ausdruck im Einzelnen, sondern war die Sache selbst: zum 
erstenmale traten die Beschauer wieder einem Bilde mit Interesse 
an dem Gegenstande selbst entgegen. Die Liebe, mit Welcher der 
Im Louvre, 
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und Morel, 
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