Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526859
von Geschicklichkeit, davon hatten befriedigt werden können, und erst 
nachdem David aus Gram über die Zurücksetzung beinahe seinem Leben 
durch Selbstmord ein Ende gemacht, glückte ein letzter Versuch und 
brachte ihn in seinem 28. Jahre als Stipendiat der Akademie nach Rom. 
Mengs lebte und wirkte nach David's Ankunft noch vier Jahre; 
allein der Einfluss des Gefeierten auf den Franzosen War gering. 
David strebte vor Allen] der galanten Weise seines Vaterlandes wie 
des Eklekticismus völlig loszuwerden, und suchte vielmehr nach einem 
Gegensatz statt nach einer vermittelnden Brücke. Die süsse Sinn- 
lichkeit seiner Landsleute war ihm ebensosehr zum Ekel, wie die 
schulgemässe Schönfarberei und es war ihm daher zunächst jene 
Kunst das Ideal, welche statt aller costümirten Eleganz vielmehr die 
Naturwahrheit bis zur Hässlichkeit und statt der schalen Anmuth 
des Colorits die Contraste von Licht und Schatten bis zur Farb- 
losigkeit, aber in markiger Weise erstrebte. Es waren die Cara- 
vaggisten , welche ihm imponirten, und statt der üblichen Schulpil- 
gerung in die Stanzen des Raphael sass er copirend vor einem 
Valentin. Seiner entschieden plastischen Anlage entsprach die Be- 
tonung und Bestimmtheit der Form, wie sie sich hier aussprach, 
das effektvolle Relief in Licht und Schatten so sehr, dass er vorerst 
selbst zum Extrem und zur Uebertreibung sich hingezogen fühlte. 
Allein die classische Umgebung verfehlte bald ihre Wirkung nicht, 
sobald das erste Feuer verlodert war, und eine ruhige Ueberlegung 
dem Geiste des trotzigen Widerspruches Platz gemacht. Da standen 
die plastischen Schätze des Alterthums, damals eben wesentlich ver- 
mehrt und durch Winckehnanns Wort in ein neues Licht gestellt 
und zu neuen Ehren gehoben. Dazu wirkte der classische Boden 
mit seinen glorreichen Erinnerungen, auf welche man damals in 
Frankreich um so eifriger zurückzugeben pflegte, je weniger die 
gleichzeitigen Zustände dem angebornen Triebe nach glorreißhell 
Thaten Raum gaben. David zeichnete viel nach Antiken und sog 
aus ihnen mit der durchgebildeten Form und sicheren Bestimmtheit, 
wie sie fortan seine Werke charakterisiren, auch die Vürliebe für 
Stoffe aus dem Gebiete der Antike. Die Ergebnisse seiner Studien 
in Rom noch im Grossen zu verwerthen, fand er jedoch keine G9- 
Iegenheit; ein 1779 Vollendetes Altargemälde xdie Pest des h. Rochusc 
zwang ihn vielmehr schon durch den Gegenstand sich noch vielfach 
in die traditionellen Fesseln zu schmiegen.
        

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