Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526770
F. W. v. Erdmannsdorf u. A. auf der künstlerischen Stufe eines 
Mengs und David gefunden, und mussten die ihr zu Grunde liegende 
Anschauung der Antike als eine, wenn nicht verfehlte, so doch ein- 
seitige und unklare schildern. Hatte man in der ersten Iwlälfte des 
18. Jahrh. in der Antike blos zierliche Eleganz gesucht, so war gegen 
den Schluss desselben hin der Sinn blos mehr auf das Mächtige, 
ja Derbe gerichtet gewesen. Die bahnbrechende Rolle aber, wie sie 
Carstens jener Periode gegenüber in Hinsicht auf Malerei, als der 
Vorkämpfer eines reineren höheren Classicismus, gespielt, hatte im 
Gebiete der Architektur Fried. Gilly, geb. 1771 zu Berlin als der 
Sohn des Oberbaurathes D. Gilly, übernommen. Ihm waren 
Langhans Quellen zu trübe, und er suchte desshalb in seinen 
Entwürfen auf die hellenische Kunst in ihrer Blüthezeit zurückzu- 
gehen. Auch ihm war jedoch wie seinem Zeit- und Richtungsge- 
nossen Carstens nur beschieden, seiner Ueberzeugung in unausge- 
führten Entwürfen oder höchstens in einigen Privatgebäuden Berlins 
und der Umgebung Ausdruck zu geben; denn für monumentale 
Werke war in der preussischen Hauptstadt Weder der Sinn vor- 
handen noch die politische Lage geeignet. Auch Gilly's kurzes Leben 
 er starb schon 1800 in einem Alter von nur 29 Jahren  liess 
keine Frucht reifen , obgleich die Blüthen seiner Entivürfe keinen 
Einsichtigen hinsichtlich der zu erwartenden in Zweifel lassen 
konnten. So war es auch seine Aquarellskizze zu einem Denkmal 
Friedrichs des Grossen f), welche dem jungen Schinkel, damals noch 
am Gymnasium zum gratien Kloster in Berlin, seinen Weg und seine 
Mission zeigte. Ebenso waren es seine Aufnahmen des Marienburger 
Schlosses M) gewesen, welche Schinkefs Blick von vorne herein offen 
hielten auch für die Schönheit und den Werth der romantischen 
Baukunst. Diese Arbeiten hatten es dem Jüngling, der nun selbst 
gegen die Einreden seiner Vormünder das Gymnasium verliess, 
gezeigt, was sein wirklicher Beruf war, nemlich in Gilly's Bahnen 
einzulenken. Bei der universellen Kunstbegabung Schinkßllß WüFCle 
er sonst vielleicht an der Wahl unter den Künsten schwer gelitten 
haben, wenn nicht daran gescheitert sein. Nun aber konnte er an 
Gilly, der kleine Figuren zeichnete, Architekturstücke und Land- 
ä") Von 1797. 
ä") Gilly und 
Jetzt im Sitzungssaal der städtische? Baudeputation. 
Raabe. Schloss lälarienbxlrg, gest. v. J. F. Frick. Berlin 
1799.
        

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