Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526733
seiner Hand in Marmor übertragen worden sind, zu unterscheiden; 
vielleicht dürften sie jedoch minder kräftig und noch ärmer an indivi- 
duellem Ausdruck genannt werden. Auch er legte dem Formalen 
einen allzu grossen una fast ausschliessendeil Werth bei, wesshalb 
er auch die Ausführung selbst zu besorgen pflegte und Raspel und 
Feile auf's fleissigste handhabte. Seine solide Durchführung erfreut 
bei der effektlosen Einfachheit seiner Auffassung, durch die er sich 
von der modernen italienischen Plastik so vortheilhaft unterscheidet, 
doppelt; aber zu erwärmen vermögen seine Schöpfungen selten. 
Von den deutschen Bildhauern haben manche in 'l'horwaldsen's 
Atelier gearbeitet, doch keiner ist ganz in seine Fussstapfen getreten. 
Diess verhinderte theils die Hinneigung der Deutschen zur Romantik, 
theils die von Berlin ausgehende Gegenströmung und die Erkenntniss, 
dass man in der realistischen Richtung G. Schadowls und dann 
Rauclfs einen unsern Zeitanschauungen gemässeren Weg betreten 
könne, als in der seit dem Zeitalter der Restauration an Terrain 
verlierenden Classicität. Selbst L. Tieck, classisch angelegt wie 
wenige Künstler seiner Zeit, lenkte in die Rauclfschen Bahnen ein, 
in welchen wir ihn auch zu betrachten haben werden. Hieher 
könnte nur ein Künstlername gesetzt werden, der jedoch durch 
Bildungsgang und Eigenart zum Schüler keinen Beruf besass und 
desshalb zwar in derselben Richtung, aber nicht auf demselben Wege 
wie Thorwaldsen ging, nemlich J. M. Wagncrf"). Als der Sohn 
eines fürstbischöflichen Hotbildhauers 1777 zu Würzburg geboren, 
hatte er drei verschiedene Kunstphasen durchgelebt, die Atmosphäre 
seines Vaters, welche natürlich ganz von Zopfthum erfüllt war, dann 
den Mengsianismus der Fügefschen Schule zu Wien und endlich 
den unmittelbaren Einfluss der Antike. So lange er als Maler thätig, 
was bis 1817 anhielt, vermochte er nicht ganz sich dem herrschen- 
den akademischen Eklekticismus zu entwinden, welcher jedoch seine 
äussern Erfolge keineswegs beeinträchtigte. Denn wenige Jahre ehe 
die Wiener Akademie den Begründer der romantischen Kunst rele- 
girte, präniiirte sie den talentvollen Würzburger und auch der 
Goethesche Kreis, der von den Anfängen eines Cornelius zurück- 
schreckte, fand eine seiner Arbeiten aUlysses den Polyphem berau- 
SChGIICla des ersten Preises der YVeimarer Kunstfreunde werth. Der 
1') L, Urlichs, J. M. Wagner, 
Re ber, Kunstgeschichte. 
Lebensbild. 
ein 
Würzburg 
1867. 
11
        

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