Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526718
Kopenhagen zuerst einen alten Pförtner im groben Kittel, einen un- 
vergessenen Freund seiner Jugend, umarmte. Treu wie er gegen 
seine Freunde, so war auch ihm das Glück bis zu seinem Ende, es 
hatte ihm selbst, wenn nicht die Ahnung, so doch den Kampf des 
Todes erspart, wenige Stunden, nachdem er den Modellirstab weg- 
gelegt, sank er im heiteren Kreise der Thalia (1844) in den ewigen 
Schlummer und fand das gewünschte eben vollendete Grab mitten 
unter seinen Schöpfungen, von Rosenhecken und Blumen umgeben, 
im Thorwaldsen-Museum seiner Vaterstadt. 
Er hatte lange genug gewirkt, um einen stattlichen Kreis von 
Schülern aus allen Ländern um sich versammeln zu können, von 
welchen sich namentlich seine Landsleute und die Italiener enger 
an seine Bahnen hielten. Von den ersten ist H. W Bissenf) zu 
nennen, von Geburt ein Deutscher (geb. zu Schleswig 1798, als 
Professor an der Akademie zu Kopenhagen 1868 gestorben), aber 
seiner Ausbildung; Thätigkeit und Lebensstellung nach ein Däne, 
einer der bevorzugten Gehilfen des Meisters, der ihm auch die Aus- 
führung seiner unvollendeten Werke testamentarisch übertrug. Und 
wenn er auch die Feinheit und Fruchtbarkeit Thorwaldseifs nicht 
erreichte, so kam diesem doch Niemand in dem kraftvollen Styl wie 
in dem männlichen Ernste der Auffassung näher. Seine Haupt- 
thätigkeit fallt jedoch erst in spätere Zeit, wenn er auch schon mit 
der Walküre (1835) seinen Ruhm erlangte. Obgleich zunächst seinem 
Lehrer entsprechend in Gegenständen des griechischen Mythos thätig, 
hatte er es sich doch vornehmlich zur Aufgabe gemacht, den in 
dänischen Kreisen Thorwaldsen gegenüber öfter wiederholten Wün- 
sehen zu genügen und an die Stelle der griechischen die nordische 
Götterwelt zu setzen, wozu ihm die Ausstattung des Christiansburger 
Schlosses reichliche Gelegenheit gab. Im höheren Alter aber wandte 
sich der Künstler der naturalistischen Richtung zu, wovon das Denk- 
mal der Schlacht von Friedericia als vder tapfere Landsoldatc bekannt, 
und der noch bekanntere Löwe von Idsted vom Flensburger Friedhof, 
jetzt nach Berlin geschleppt, Zeugniss ablegen. Seine Bildnissstatuen 
des Königs Friedrich IV., des Dichters Oehlenschläger und andere lassen 
ihn zu den hervorragenden Meistern dieses Faches zählen. Deutschland 
besitzt von ihm die Reliefs am Gutenberg-Monument zu Mainz. 
Nekrolog. 
itzow 
Zeitschrift 
bild. 
Kunst. 
1868. 
Beibl. 
138.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.