Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526709
densten Zufälligkeiten in den Schicksalen Thorwaldsens den Charakter 
des Wunders aufzunöthigen. Ist auch die Eigenthümlichkeit des Zu- 
falls mit dem Jason nicht zu leugnen, so berechtigt sie doch nicht 
dazu in anderen Zutreffen eine Kette von Aeusserungen des gött- 
lichen Schutzes zu erkennen, in welchen mit Thorwaldsen und einigen 
seiner hervorragenderen Werke die Kunst sich des allerhöchsten 
Protektorates und eclatanter himmlischer Auszeichnung zu erfreuen 
hatte. Wenn z. B. unter anderen halberfundenen Anekdötchen ein 
Sturm machtlos erscheint gegen ein Boot, in Welchem der Künstler 
sitzt, Wie weiland gegen den Nachen, der Cäsar über das jonische 
Meer führte, eine Kugel in seinen Gewändern erlahmt, ohne das Leben 
zu gefährden, Räuber vergeblich seiner harren, weil er gerade da- 
mals einen ganz tingewöhnlichen Weg genommen, ein seltenes Nord- 
licht oder ein Regenbogen seine Rückkehr in die Heimat feiert, 
wenn ferner ein Blitz alles ringsum vernichtet und Amor und Psyche 
verschont, das Meer die versunkene Venus zurückgibt, beim Ein- 
sturz seines Studio der Adonis, wie von unsichtbarer Hand gehalten, 
allein unversehrt über den Trümmern schwebt, so sollte man doch 
nicht, wie die Weiber Roms bei ähnlichen den Künstler betreffenden 
Anlässen darin einen speziellen Schutz der Madonna ersehen, und 
das sonst gewichtige Urtheil seines Rivalen Canova, Welcher ihn 
nach Besichtigung des Adonis einen ßuomo divinoe nennt, allzu- 
buchstäblich nehmen. Es ist indess den Dänen, zu deren grössten 
Zierden er unbedingt gehört, die Maasslosigkeit zu verzeihen, n1it der 
sie sich selbst an den Wagen spannen, welcher ihn von dem Lan- 
dtmgsplatze nach Kopenhagen brachte, wenn auch der unbefangene 
Beurtheiler jetzt kaum mehr geneigt sein würde, selbst befördernd 
in die Speichen seines Ruhmeswagens zu greifen. Doch darf auch 
nicht verschwiegen werden, wie durchaus edel der Künstler die 
schwindelnde Ruhmeshöhe ertrug, zu welcher ihn nebst seinen un- 
leugbaren Verdiensten ein seltenes Glück erhob. Voll von Aner- 
kennung alles Tüchtigen an seinen Kunstgenossen und in naiver 
Hingebung an seinen Beruf, rastlos fortarbeitend bis an den Abend 
seines beneidenswerthen Todes scheint er von seiner Vergötterung, 
worin sich namentlich seine Landsleute überboten, kaum eine Ahnung 
gehabt zu haben. Alle Ehre und Erhebung' verdarben seinen schlichten 
und in gewissem Sinne kindlichen Sinn und sein gerades wohl- 
wollendes Wesen nicht, wie er denn bei seinem Triumpheinzuge in
        

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