Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526695
dem Portal stellt ein Relieffries den Einzug Christi in Jerusalem 
dar. Im Innern reihen sich an die Colossalstatue Christi in der 
Apsis beiderseits die Standbilder der zwölf Apostel, Während ein den 
Weg nach Golgatha darstellender Fries, von einigen dem Alexander- 
fries an künstlerischem Werth gleichgestellt, sich über der Altarnische 
hinzieht. Kleinere Friese, Reliefs und statuarische Arbeiten schmücken 
andere Stellen; selbst die Almosenbüchse, seitdem zehnfach von 
Spendern bedacht, ist mit einem passenden Bildwerk versehen und 
ein knieender Engel hält die Taufschale. Für den Christust), welcher 
mit ausgebreiteten Armen und nach den göttlichen Begrüssungs- 
Worten: Friede sei mit Euch! dargestellt ist, schuf Thorwaldsen sechs 
verschiedene Skizzen bis er sich selbst genügte, und hat auch in der 
That eine würdevolle und grandiose Auffassung erreicht; die Apostel 
aber wurden, wie auch die Giebelgruppe und die Reliefs nach Skizzen 
des Meisters von dessen Schülern modellirt. Dass die Apostel über 
die des Altmeisters Peter Vischer am Sebaldusgrabe an künstlerischem 
Werthe hinausgingen, ist eben nicht zu behaupten; es muss aber 
auch daran erinnert werden, dass nur von einigen Aposteln eine 
künstlerisch fassbare Charakteristik in den heiligen Büchern vorliegt 
und der Künstler dadurch doppelt an eine lediglich äusserliche Unter- 
scheidung der einzelnen Gestalten gewiesen war. 
Wenn demnach die Beurtheilung des grossen Dänen nicht allzu 
günstig und entschieden ungünstiger als sonst landläufig ist, lautet, 
so beruht diess auf dein doppelten Grunde, dass einerseits Thor- 
waldsen seiner vorwiegend receptiven Begabung wegen nicht zu den 
bahnbrechenden Künstlern, wie sie uns im Gebiete der Plastik z. B. 
in G. Schadow und in Rauch begegnen, gerechnet Werden darf, und 
dass die Gerechtigkeit erfordert, da einen um so gewissenhafteren 
Maassstab anzulegen, wo der Ruhm nicht blos zu ungerechtfertigter 
Höhe gestiegen, sondern überhaupt maasslos geworden ist. Wir 
können uns die Sage als solche gefallen lassen, wonach ein Phidias 
vor dem höchsten Werke seiner Hand, des Altertliums und aller Zeiten 
die göttliche Approbation erflehte und in der Gestalt eines Blitz- 
strahles erhielt; allein wir müssen das in verschiedenen Büchern mit einer 
gewissen Andacht wiederholte Bestreben zurückweisen, den verschie- 
t) In galvanoplastischer 
bei Potsdam befindlich. 
Nachbildung 
auch 
im 
Atrium 
der 
Friedenskirche
        

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