Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526681
Das Uebergewicht des Formalen über Gehalt und Empfindung 
musste sich aber vornehmlich in dem Gebiete sichtbar machen, welches 
an sich der Plastik wegen der unbedingt erforderlichen Unterordnung 
der Form unter Innerlichkeit und Ausdruck am wenigsten zugänglich 
ist, nemlich in den Darstellungen aus dem Reiche der christlichen 
Religion. Die Ansicht Thorwaldsen's selbst, dass die Bildhauerei 
dem protestantischen Gottesdienste sich ebenso innig anschliesse, wie 
die Malerei dem katholischen, beruht lediglich auf dessen Erkenntniss, 
dass die Malerei dem protestantischen Culte weniger als dem katho- 
lischen entsprechend sei, muss jedoch insoferne bestritten werden, 
als der erstere Cult dafür in der Plastik seine Entschädigung finden 
könne. Indess hatte er auf diesem Felde frühzeitig einen glücklichen 
Anlauf genommen in dem schon 1807 bestellten Taufbecken für die 
Brahe-Trolleburgerkirche in Fünen, einem Würfel mit Reliefs auf 
den vier Seiten, Welche die Taufe Christi, Maria mit den beiden 
Kindern, Christus als Kinderfreund und drei schwebende Engel dar- 
stellten. Es war die erste an ihn gelangte Bestellung aus der Heimat 
und er hatte sich ihr nicht blos mit grosser Liebe unterzogen, son- 
dern war auch von dem Erfolg selbst so zufrieden, dass er sich 
entschloss, mit einer Wiederholung die Kirche seiner Urheirnat, 
Myklabye in Island, zu beschenken. Ein Jahrzehent verging, ohne 
dass sich Thorwaldsen zur Inangriffnahme eines zweiten christlichen 
Werkes veranlasst sah, und auch als Kronprinz Ludwig von Bayern 
1817 einen Fries mit der Darstellung des Lebens Jesu verlangte, 
konnte der Künstler sich zunächst nur zur Modellirung der Schluss- 
scene, die Frauen am Grabe Christi entschliessen, zu welchem im 
nächsten Jahre das Anfangsrelief (Verkündigung Maria) hinzukam. 
Die nächstfolgenden Reliefwerke für die Kapelle von Palazzo Pitti 
und für S. Annunziata in Florenz sind ohne Belang. Als er jedoch 
1819 zum erstenmale nach Kopenhagen zurückkehrte, liess er sich 
bestimmen, nachdem zunächst nur von der Herstellung einer Chri- 
stusstatue die Rede gewesen, die Ausschmückung der Frauenkirche 
daselbst in der umfassendsten Weise zu übernehmen und schritt 
nach seiner Rückkehr in die Tiberstadt sogleich an's Werk. Der 
Giebel erhielt eine aus vierzehn Statuen bestehende Gruppe aus 
Terracotta, die Predigt des h. Johannes des 'I'äufers in der Wüste 
darstellend, welche (nach den Umrissen in Thiele's Kupferwerk be- 
urtheilt) vielleicht das Gelungenste des Ganzen ist. Im Pronaos über
        

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