Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526674
Restaurator unübertrefflich, wie er diess an der Ergänzung der sog. 
Aegineten in glänzender Weise bewiesen und durch eine selbständige 
Arbeit im archaischen Style, die berühmte Spes im Humboldfschen 
Schlosse zu Tegel, noch weiter bewährt hat. 
Ein nicht geringer Theil seiner Kunstthätigkeit aber war, viel- 
leicht weniger seiner Neigung und Richtung als den Umständen seiner 
Zeit und den Forderungen der Besteller entsprechend, dem Bildnisse 
gewidmet. Dass ihm hierin die classische Schulung zu statten kam, 
und dass er es auch verstand, in classischem Geiste seine Gestalten 
zu heben und zu adeln, beweisen seine Werke. Das colossale Reiter- 
bild des Churfürsten Maximilian I. von Bayern zu München, die 
Standbilder Gutenbergs zu Mainz und Schillers zu Stuttgart gehören 
zu den besten Porträtstatuen der Neuzeit, wenn auch gegen die 
Auffassung Schillers, welcher statt als ein Vorkämpfer der Freiheit 
das Haupt zu erheben, es vielmehr als Denker senkt, mit Recht 
Einwendungen erhoben worden sind. Die für Warschau hergestellten 
Werke: das Reiterbild des Fürsten Poniatowsky und die Statue des 
Copernicus, wie die Königstatuen zu Kopenhagen und Roeskilde ver- 
mag ich nicht zu beurtheilen, die Statue Lord Byr0n's in Cambridge 
erreicht jedoch die obengenannten an Werth nicht, und noch weniger 
die Gonradin's in S. Maria del Carmine zu Neapel, welche übrigens 
erst nach des Meisters Tod von P. Schöpf vollendet worden ist. 
Daran reihen sich die Grabdenkmäler, von welchen die des 
Papstes Pius VII. in der Peterskirche zu Rom und das des Herzogs 
von Leuchtenberg in der Michaelskirche zu München die hervor- 
ragendsten sind. Wie es aber an dem letztern bei aller formalen 
Schönheit der Modellirung dem Künstler an der Gabe fehlt, das an 
sich etwas barocke Motiv (der Fürst reicht, im Begriff in die Grabes- 
pforte einzutreten, der Muse der Geschichte den gewonnenen Kranz) 
in die rechte Lebendigkeit zu setzen, so verhinderte auch die plastisch 
tinzugängliche Symbolik der beiden Hauptiiguren neben der thronen- 
den Gestalt des Papstes, der Sapientia coelestis und der Fortitudo 
divina an dem Papstdenkmal einen bleibenden Erfolg. In trockener 
Allegorie bewegen sich auch die Reliefgrabdenkmäler des Philipp 
Bcthmann, der Baronin Schubart und der Auguste Böhmer, wenn 
auch nicht verkannt werden kann, (lass bei ihnen des Künstlers 
Herz und persönliches Interesse mehr angeregt W313 als diess ge- 
wöhnlich der Fall 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.