Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Geschichte der neueren deutschen Kunst vom Ende des vorigen Jahrhunderts bis zur Wiener Ausstellung 1873
Person:
Reber, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-524503
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-526615
Plastik. 
Thorwaldsen. 
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Verehrer dann wollten ihn auf dem Meere geboren oder in Deutscl1'- 
land erzogen werden lassen, damit er entweder keinem oder unserem 
Vaterlande angehöre. Gewiss ist nur, dass seine Familie aus Island 
stammt, woher sein Vater Gottschalk als Bildschnitzer oder vielmehr 
als Verfertiger von plastischen Schiffszierden nach Kopenhagen über- 
siedelte, und Wahrscheinlich ist, dass Albert 1770 zu Kopenhagen 
geboren wurde. An derselben Akademie aber, an welcher sechs 
Jahre nach Thorwaldsen's Geburt Carstens seine ersten künstlerischen 
Schritte machte, sog auch der talentvolle sBertelc die Milch seiner 
Kunstkindheit. Ohne Zweifel werden hierin auch wie bei Carstens 
die Antikenabgüsse mehr gewirkt haben als die Unterweisung seiner 
Lehrer, obwohl der Bildhauer C. F. Stanley, in Italien gebildet, 
den Uebergang zur Classicität zu vermitteln strebte. Die Begabung 
des Kunstjüngers offenbarte sich bereits in einem Preisstücke, einem 
ruhenden Amor f), der gerade in der scharfen Härte der Durchbildung 
den Gegensatz gegen die traditionelle Behandlungsweise und den 
Ernst seiner Auffassung recht erkennen lässt. 1793 errang er den 
grossen akademischen Preis und damit die Anwartschaft auf das 
römische Stipendium, dessen verzögerte Erledigung ihm jedoch noch 
Gelegenheit verschaffte, in dreijährigem Studium die bis dahin sehr 
lückenhafte literarische Ausbildung in der für seinen Beruf unent- 
behrlichen Weise nachzuholen. Nun folgten Jahre schwerer Prü- 
fungen. Fast ein volles Jahr musste er sich an den Bord des Kriegs- 
schiffes Thetis gebannt sehen, welches ihn, da die Reise zu Lande 
der Kriegsunruhen wegen nicht räthlich geschienen, aufgenommen, 
aber auf der Fahrt um die Westhälfte von Europa lange gekreuzt 
hatte; dann endlich zu Neapel den Boden Italiens betretend, bekämpfte 
er mit Mühe das Heimweh, welches ihn schon unter den Flaggen 
der im Hafen liegenden Schiffe das weisse Kreuz auf rothem Gründe 
suchen liess, um wieder in's Vaterland zurückzukehren, und endlich 
in Rom angekommen, fand er in seinem Landsmann, dem gelehrten 
Zoega mehr einen Tadler als Berather. Bald erschienen diesem 
seine Arbeiten zu sklavische Nachahmungen der Antike, bald zu 
 Originalgypsabgüsse (nach dem Modell geformt) von fast allen Werken 
Thorwaldsen's im Thorwaldsenmuseum zu Kopenhagen. Nach diesen die Stiche 
des Thielrfschen Kupferwerkes und die guten Photographien von Budtz Müller 
ü- Cie. Bredgade in Kopenhagen.  '
        

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